Im »King A« in der Schauburg lernt man, wie Demokratie funktioniert – oder eben auch nicht.

»King A«

Harte Arbeit, edles Streben

king a

Lancelot und Artus (v.l. Janosch Fries, Hardy Punzel) | © Cordula Treml

Zu Beginn stehen sie an der Rampe und werfen dem jungen Publikum Stichworte hin, die es vielleicht mit Ritterlichkeit verbindet: »Vorbild sein« etwa – oder »gemeinsam für etwas Wichtiges kämpfen!« Dann krallen sich Janosch Fries, Angelina Berger, Hardy Punzel, Lucia Schierenbeck und Michael Schröder ihre Instrumente und werfen den Rockmusik-Turbo an: Zunächst versteht man wenig, dann zumindest das doppelte Motto des Abends: »Harte Arbeit, edles Streben.« Das lässt sich sowohl auf den Kitt beziehen, der König Artus’ Tafelrunde zusammenhält, wie auf die Schauspieler, die in Grete Pagans Schauburg-Inszenierung von »King A« alle Hände (und Stimmbänder) voll zu tun haben. In dem Stück, das mehrere Autoren nach dem Konzept von Inèz Derksen – der künstlerischen Leiterin des niederländischen Kinder- und Jugendtheaters Het Laagland – niedergeschrieben haben, steckt Stoff für mindestens zwei Schuljahre Sozialkundeunterricht.

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C.H. Beck

Und weil Pagan ihre Akteure nicht aufs Dozieren einschwören will, sondern auf Anne Hölcks improvisiert wirkender Bühne wie ein Rudel junger Hunde auf den Brückenschlag zwischen 500 nach Christus und heute, Ritterehre, Gender- und Nachhaltigkeitsdiskurs, Schauspieler und Rolle loslässt, ist es vor allem anfangs oft verwirrend. Die fünf auf der Bühne switchen permanent zwischen »Mucke machen«, den fast kindlichen Balgereien, mit denen sie sich dem 10- bis 15-jährigen Zielpublikum andienen, und den Rittern, die demonstrieren, wie das funktioniert mit der Demokratie und mit dem Interessen-Clash zwischen Amt und Privatperson. Auch rhythmisch läuft die Inszenierung zuweilen aus der Spur, ein Fokus fehlt in dieser »Ode an jedes Ritterherz«, wie »King A« im Untertitel heißt, sowohl optisch als auch thematisch.

Und doch macht es Spaß, dank einiger sehr witziger Szenen, die sich aus dem übermütigen Spiel ergeben. In einer liefern sich die fünf Ritterdarsteller in Jeans und Sportdress Zweiergefechte mit Schwimmnudeln. Als Angelina Berger als Kai ein richtiges Schwert verlangt, hat ihr Bruder Artus (Hardy Punzel) ihr im Handumdrehen das sagenumwobene Excalibur zugeworfen, das zuvor keiner und keine aus dem Stein ziehen konnte. Und ein zaudernder, ziemlich verdutzter König ist erkoren. Schön auch der Bannzauber, den Bandleader Merlin (Michael Schröder) am Schlagzeug um sich zieht und die zwischen Guin und Lancelot unstatthaft erblühende Verliebtheit, die plastisch zu machen Lucia Schierenbeck und Janosch Fries nur ein einziges gemeinsames Lied brauchen (Musik: David Pagan). Allmählich gewinnen die wütende »Manchmal muss auch was brennen«-Kai, die nach alter Schule für das Drachentöten und den Schutz der Ritterehre und gegen die neumodisch gendernde »Wackere Ritter*innen brauchen keine Waffen«-Fraktion eintritt, der grundgute Artus und die anderen auch als Charaktere Kontur, deren Entwicklung in diesem Gewirr an Konfliktlinien oft ein wenig zu kurz kommt. Und das rhythmische Rumpeln des Beginns wird als unrunder Kaltstart in die Demokratiearbeit lesbar: Als die harte Arbeit des edlen Strebens, mit der auch die fünf Ritter-Musiker*innen am Ende wieder von vorne beginnen müssen. Sein Bestes tun, hinfallen, Mund abputzen und wieder aufstehen – oder »try again, fail again, fail better« wie Samuel Beckett sagen würde: Das ist schon das ganze Geheimnis. ||

KING A
Schauburg | 26., 29. Nov., 1., 2. Dez. | 11 Uhr | 26. Nov., 3. Dez. | 19 Uhr | 30. Nov., 3. Dez. | 10 Uhr | 5. Dez. | 16 Uhr
Tickets: 089 23337155

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