In seinem aufwühlenden Drama »Platzspitzbaby« nähert sich Pierre Monard der Drogensucht einer Mutter aus der Perspektive ihrer Tochter.

Platzspitzbaby

Kinder der Sucht

platzspitzbaby

Luna Mwezi (links) und Sarah Spale im Schweizer Mutter-Tochter-Drama »Platzspitzbaby« | © Alpenrepublik

Man will nicht glauben, dass die ersten Minuten dieses Films der Realität entsprachen. Es ist wie auf einem Festival: Unzählige Leute sitzen im Freien, reden und »feiern«. Bei der Menschenansammlung in diesem kleinen Park, dem Platzspitz, handelt es sich jedoch um eine der größten offenen Drogenszenen der Welt, direkt hinter dem Zürcher Hauptbahnhof. 1995 wurde sie aufgelöst. Hier setzt Pierre Monards »Platzspitzbaby« ein, die Geschichte der elfjährigen Mia (Luna Mwezi).

Anzeige
Bürgerhaus Pullach Anzeige

Nach der Auflösung ziehen sie und ihre heroinabhängige Mutter Sandrine (Sarah Spale) in die Schweizer Provinz. Was erst nach Rettung aussieht, wird schnell zunichte gemacht, als Sandrine in der neuen Heimat wieder Kontakt zur alten Clique aufnimmt. Das Mädchen steht nun zwischen ihrer Fantasiewelt und dem Kampf um ihre Mutter. Mit »Platzspitzbaby« hat sich Monard des gleichnamigen Buches von Michelle Halbheer und Franziska K. Müller angenommen und damit einen der erfolgreichsten Schweizer Filme der letzten Zeit geschaffen. Einen Monat nach dem Start konnte er schon 200.000 Zuschauer verzeichnen. Lohnt es sich auch für das deutsche Publikum, sich mit einem spezifisch schweizerischen Thema auseinanderzusetzen?

Die Antwort lautet hier ganz klar: Ja! Was dieser Film zeigt, Mias Gefangenschaft zwischen den Dämonen ihrer Mutter und ihrer aufrichtigen Liebe, ihre Sehnsucht nach Geborgenheit in einem aussichtslosen Sumpf, ist eine Problematik, die über Landesgrenzen hinausgeht. Das intensive Spiel von Luna Mwezi tut sein Übriges. Zwar sind Stil und Handlungsverlauf von »Platzspitzbaby« eher konventionell, die emotionale Wucht trifft den Zuschauer nichtsdestotrotz. Jeder Rückschlag, jede aufblitzende Hoffnung fährt in Mark und Bein. Auch als sie im Freundeskreis eine Ersatzfamilie findet, kommt keine Erleichterung auf. Schon hier sind Alkohol und Drogen dabei, ein fester Lebensbestandteil zu werden. Die gesellschaftskritische Dimension des Films kommt dabei ohne moralischen Hammer aus. Es reicht schon, den Kampf von Mia und Sandrine zu sehen. Und das werden hoffentlich auch hierzulande viele Zuschauer. ||

PLATZSPITZBABY
Schweiz 2019 | Regie: Pierre Monnard | Mit: Luna Mwezi, Sarah Spale, Anouk Petri | 98 Minuten | Kinostart: 18.November

Weitere Filmkritiken gibt es in der kompletten Ausgabe. Hier geht es zum Kiosk.