Der Trompeter Dusko Goykovich wird 90 Jahre alt. Und die Szene feiert ihn mit einem opulenten Abend.

Dusko Goykovich

Das Swing Thing

dusto goykovich

Der Souverän swingender Leichtigkeit: Dusko Goykovich | © Ralf Dombrowski

Ich erinnere mich, wie ich ihm zum 65. Geburtstag mit einem Porträt gratulierte. Damals war ich noch frisch in der bunten Musikpressewelt unterwegs, und Dusko Goykovich wunderte sich mir gegenüber im Interview, dass ich seit vielen Jahren der Erste gewesen sei, der sich seiner in der »Süddeutschen Zeitung« angenommen habe. Seitdem ist ein Vierteljahrhundert ins Land gegangen, der Musikkonsum hat sich ebenso verändert wie der Stilgeschmack des Publikums. Dusko hingegen ist immer noch da und in der Wertschätzung der Kollegen, der Szene und Spezialisten längst international auf einen der vorderen Plätze geklettert. Während die jazzenden Moden über die Jahre hinweg in wechselnde Richtungen navigierten, ließ der Trompeter, Komponist und Wahlmünchner sich in seinem Konzept einer ebenso geschmackvollen wie zugänglichen Gestaltungskunst nicht beirren. Denn Duskos Musik gründet in profunder Empathie, in einem auf brillanter Spieltechnik und humorvollem Einfallsreichtum gründenden Musikantentum, das seinen Jazz menschlich, emotional und unmittelbar wirken lässt.

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Das hat ihm auch auf einem verschlungenen Lebensweg geholfen, sich zu einem der zentralen Jazzmusiker Europas zu entwickeln. Dusko Goykovich lernte die Trompete in Jugendtagen zunächst auf den Tanzböden und in den Kneipen seiner bosnischen und serbischen Heimat kennen. Anfang der fünfziger Jahre studierte er Musik und Philosophie an der Musikhochschule von Belgrad, zog bald darauf nach Deutschland und fand schnell Anschluss an die Liveszene. Über ein Stipendium landete er in Boston am Berklee College, verfeinerte dort seine Kunst und knüpfte vor allem Kontakte zu Bandleadern wie Woody Herman und Maynard Ferguson. Er lernte die Besonderheiten des Big-Band-Spiels schätzen und bewährte sich nicht nur als Instrumentalist, sondern auch als Komponist und Arrangeur. Zurück in Deutschland, zog er 1968 nach München und gehört seitdem als Eminenz der internationalen Jazzszene zu den Netzwerkknoten der heimischen Musikwelt, auch wenn die Zeitungen eine Weile brauchten, um das auch zu erkennen.

Dusko Goykovich entwickelte sich zu einem Maßstab sensibler und zugleich pointierter modernjazziger Gestaltung, mit samtenem Ton, eloquenter Phrasierungskunst und hinter der Fassade des wissenden Bandleaders durchscheinender Perfektion. Außerdem gründete er bereits kurz nach seiner Ankunft in München die Munich Big Band, die zur Anlaufstelle zahlreicher junger Musiker und auch zu einem Motor des Orchestertrends wurde, der während der folgenden Jahrzehnte Fahrt aufnahm. Goykovich betreute sieben Jahre lang das Landesjugendjazzorchester, unterrichtete an Jazzschulen in München und Bern, und wurde durch seine Kompositionen und Bands zum Star unter anderem in Japan, darüber hinaus zum Protagonisten der Verbindungen boppender Swing-Traditionen und Musikformen des Balkans. Ein Meister vieler Klassen also, 2015 mit dem Musikpreis der Stadt München ausgezeichnet und einer, vor dem sich am 14. Oktober aus Anlass seines 90. Geburtstags die heimische Jazzgemeinde in der Unterfahrt verneigt. Viele Trompeter und wechselnde Gäste werden sich die Ehre geben, allen voran Claus Reichstaller, der auch das U.M.P.A. Orchestra als Host des Jubiläumsabends in der Unterfahrt leiten wird. Inzwischen muss man niemandem mehr die Bedeutung von Dusko Goykovich erklären. Man kann ihn einfach feiern! ||

DUSKO GOYKOVICH TRIBUTE
Jazzclub Unterfahrt | Einsteinstr. 42 | 14. Oktober | 20.30 Uhr
Tickets: 089 4482794

Mehr zum Jazz-Leben in München gibt es in der kompletten Ausgabe. Hier geht es zum Kiosk.