Open Air, im Saal und auch online – vom 16. bis 24. Juni kommen beim Literaturfest München hochkarätige Autorinnen und Autoren.

Literaturfest München Sommer Edition

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Lange war es still im Literaturhaus, das Publikum musste zu Hause bleiben und sein Bedürfnis nach Lesungen und Gesprächen über Streamangebote stillen. Jetzt endlich geht das auch wieder live vor Ort! Vom 16. bis 24. Juni findet das Literaturfest in einer kompakten Sommeredition statt, nachdem es im November ausfallen musste.

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»Wir waren sieben Monate geschlossen, jetzt wollen wir wieder zu einem Ort der Begegnung, des Austauschs und des Live-Erlebnisses werden. Unser Stiftungsauftrag ist es schließlich, die Literatur hochzuhalten und zu feiern«, so Tanja Graf, die Leiterin des Literaturhauses. »Darum haben wir im Februar mit dem Kulturreferat überlegt, dieses Jahr eine Open-Air-Version des Literaturfestes zu machen.« Geplant ist das Festival als Hybridversion, 50 ZuschauerInnen können live dabei sein, zusätzlich wird alles gestreamt. Im Idealfall kann man dann an lauschigen Sommerabenden auf der Terrasse des Literaturhauses sitzen, Lesungen und Gespräche genießen, Livemusik hören, essen und trinken. Ein literarischer Sommernachtstraum.

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Den Auftakt gestaltet Nora Gomringer, die beim letztjährigen Festival Kuratorin des forum:autoren gewesen wäre: ein Abend mit Lyrik und Musik. Auf ein Motto wurde bewusst verzichtet: »Es gibt in diesem Frühjahr so viele tolle Bücher, die wollen wir vorstellen«, so Graf. »Bei der Zusammenstellung des Programms hat sich aber herauskristallisiert, dass gerade in dieser Zeit, wo niemand reisen konnte, Reisen in ferne Länder oder Vergangenheiten eine Rolle spielen, so bei Autoren wie Mathias Énard oder Arnold Stadler. Aber auch das Thema Kolonialismus und die Vereinnahmung anderer Welten.« Thematische Linien finden sich also durchaus im Programm. An jedem der neun Tage gibt es zwei Veranstaltungen (um 18 und um 20 Uhr), die miteinander korrespondieren. Am 18. Juni liest zunächst Katharina Döbler aus ihrem Roman »Dein ist das Reich«, der die Schatten der deutschen Kolonialgeschichte anhand der eigenen Familiengeschichte schildert, anschließend spricht Jörg Hätzschel von der »Süddeutschen Zeitung« mit Bénédicte Savoy über »Afrikas Kampf um seine Kunst«. Am 21. Juni liest zunächst Helga Schubert aus ihrem Roman »Vom Aufstehen«, dann Monika Helfer aus »Vati«: »zwei großartige Autorinnen, die beide über 70 sind und jetzt auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs«, so Graf.

Ein Abend widmet sich auch explizit der Pandemie: Zuerst stellt der Philosoph Markus Gabriel sein Buch »Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten« vor, in dem er für die universellen Grundwerte wirbt, die uns die Krise meistern lassen. Der Historiker Volker Reinhardt hingegen vertritt in seinem Buch »Die Macht der Seuche« die These, dass die Menschen nach der Pandemie weitermachen werden wie bisher. Zwei konträre Standpunkte also zu den Konsequenzen der Krise. »Die Veranstaltungen an einem Abend sind als Ganzes empfehlenswert, wir wollen unser Publikum zum Bleiben verführen, damit Festivalstimmung aufkommt«, so Graf.

Den Abschluss macht eine lange Nacht zur Literatur aus Québec. »Kanadische Literatur ist ja für die meisten von uns erst mal angelsächsische Literatur«, sagt Graf. »AutorInnen aus Québec aber sind eher unbekannt. Wir wollen dem Münchner Publikum an diesem Abend mit Lesungen, Videoclips und Livemusik Literatur vorstellen, die noch ziemlich unentdeckt ist.«

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Sollte Corona doch noch mal dazwischenfunken, findet alles rein digital statt. Nach über einem Jahr Pandemie ist das Literaturhaus Profi im Planen von Hybridveranstaltungen. Was ein bisschen ein Glücksfall ist: Im ersten Lockdown meldeten sich Veranstaltungstechniker, die normalerweise auf großen Messen und Open-Air-Veranstaltungen arbeiten und nun keine Verwendung für ihr Equipment hatten. Sie machten einen Vorschlag, der für beide Seiten ein Gewinn war: Sie stellten dem Literaturhaus ihre professionelle Streamtechnik zur Verfügung, im Gegenzug durften sie tagsüber die Räume für Onlineveranstaltungen und -präsentationen nutzen. »So hatten wir auf einmal ein Studio in Fernsehqualität. Wir konnten hochwertige Streams mit mehreren Kameraperspektiven anbieten.«

Das Publikum nimmt das Angebot nach kurzem anfänglichen Zögern sehr gut an, inzwischen haben die Streams genauso viel Publikum wie in früheren Zeiten die Veranstaltungen im Saal. »Es schalten sich Leute aus München, aber auch aus Berlin, Köln, London oder dem Bayerischen Wald zu«, so Graf. »Wir werden sicher auch nach Corona als Zusatzangebot die eine oder andere Veranstaltung streamen.« Doch nun erst mal das Literaturfest, das hoffentlich live und im Stream stattfinden kann. ||

LITERATURFEST SOMMER EDITION
Literaturhaus | Salvatorplatz 1 | 16. bis 24. Juni | Programm

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