LaBrassBanda wollten zum Einstand eigentlich im Hofbräuhaus meditieren. Einstweilen muss mit »Yoga Symphony No.1« ein Yoga-Album genügen.

LaBrassBanda – »Yoga Symphony No.1«

Hopfen und Blech

labrassbanda

Party war gestern: In diesem Jahr widmen sich LaBrassBanda den ruhigen und meditativen Klängen | © Sonja Herpich

Mit einer kleinen Biergarten-Tournee zum damals neuen Album »Danzn« gelang es LaBrassBanda im letzten Sommer zwischen den Wellen der Pandemie eine Fröhlichkeit zurückzugewinnen, die angesichts der vielen Infektionsschutzmaßnahmen hierzulande fast schon in Vergessenheit geriet. Hört man indes nun das neue Album der Chiemgauer Turbo-Blechbläser mit dem rätselhaften Titel »Yoga Symphony No.1«, scheint Corona am Ende auch diesen Frohnaturen die Unbeschwertheit ausgetrieben zu haben. Statt Party hört man nun Ruhigeres, Meditativeres, ein wenig Besinnung, wenn auch mit kleinen Klanghinweisen auf die Welt jenseits der getragenen Ströme der Verinnerlichung. Das ist für Dirk Wagner bemerkenswert genug, um mit dem Bandgründer und Trompeter Stefan Dettl über »carpe diem«, Streaming-Jammer und die Folgen stinkender Füße zu sprechen.

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Wie kam es zu eurem markanten Stilwechsel?
Im Oktober durften wir mitmachen bei so einer »Sportveranstaltung für 150 Personen, die sich nicht begegnen«. Wir haben dafür bei einer Yogastunde die Hintergrundmusik gespielt. Das hat einen Riesenspaß gemacht. Und die Leute vor Ort haben uns danach gesagt, sie bräuchten so eine Musik unbedingt auf CD für ihre eigenen Yogasessions. Daraufhin haben wir uns über den Winter ins Studio zurückgezogen. Und jetzt ist da eine Yoga-Sinfonie bei rausgekommen.

In dieser großen Sinfonie sind dann auch mal kleine Glöckchen zu hören. Wie fanden die ins Klangbild?
Wir haben ganz viele Percussion-Instrumente dabeigehabt, aber eben auch ein paar Glocken. So eine Schafglocke zum Beispiel, auch eine ganz kleine Kuhglocke. Damit haben wir versucht, eine Welt zu zaubern, die nach uns klingt, aber auch Raum lässt, dass man in die Ferne schweifen kann.

Tatsächlich kann man sich von dem Sound wie von einem Fluss treiben lassen. Das fließt dann vom ersten bis zum letzten Ton. Trotzdem habt ihr die Sinfonie in kleine Pop-Portionen aufgeteilt. Warum?
Weil das alles ja auch auf Spotify läuft. Und da musst du kürzere Stücke haben, sonst verdienst du gar nichts. Ich meine, mit Spotify verdienst du zwar eh nichts, aber wenn du nicht ganz viele kleinere Stücke statt eines ganz großen Tracks hast, hast du gleich gar keine Chancen, dass ein bisschen was hängen bleibt.

Verdient man denn überhaupt über Spotify? Früher haben einige Bands ja den Streamingdienst boykottiert, weil sie sich um ihre Einnahmen geprellt sahen.
Eine Einnahmequelle ist Spotify wirklich nicht. Eher eine Werbeplattform. Am meisten verdienen wir dann ja eh mit der
Livemusik.

Auf eurem neuen Album gibt es neuerdings auch elektronische Klänge.
Ja genau. Die Stroeme sind dabei. Das ist das Projekt von unserem alten Schlagzeuger und unserem alten Bassisten, mit analogen Moog-Synthesizer-Sounds. Die haben uns auch sehr beeinflusst. Und sie haben uns bei der Komposition geholfen, mit Synthieklängen, und ein paar Elektrobeats. Das blieb aber immer so, dass es zur Tuba passt.

Die Tuba ist wiederum sehr wetteranfällig. Sie klingt ja bei jeder Temperatur anders.
Na ja, der Moog aber doch auch. Die analogen Keyboards reagieren sofort auf Luftfeuchtigkeit, Temperatur und so weiter. Der klingt sogar bei jedem Strom anders, also in der Stadt, auf dem Land, auf dem Berg. Aber stimmt schon, die Tuba ist sehr temperaturabhängig. Das ist eben ein Metall. Und bis da dein Atem in der gleichen Temperatur schwingt wie die Luft in der Tuba, das ist schon ganz speziell, aber auch spannend und lebendig. Darum klingt nie ein Konzert, nie ein Stück gleich. Und darum sind auch solche Aufnahmen einmalig.

Wenn ein Stefan Dettl nun den Synthesizer entdeckt, was hält ihn davon ab, sich zurückzuziehen und nur noch mit elektronischen Klängen zu arbeiten?
Da ist bei uns keine Gefahr. Ich glaube, die Tuba und das Bier erden mich so dermaßen. Ich habe immer einen Durst und ich liebe die Tuba.

Wie erdet dich Bier?
Das ist für mich bayerisches Meditieren, wenn man im Biergarten hockt und ein Bier vor sich hat. Dann trinkt man einen Schluck, und der ganze Hopfen fährt einen runter. Manche kiffen gerne, und ich trink gern Bier. Da werde ich ruhig, entspannt, da bin ich bei mir.

Kommt das vom Alkohol oder ist das das gesamte Zeremoniell?
Ich glaub, es ist die Kombination. Wobei der Hopfen ja mit Cannabis verwandt ist. Darum kommt er auch in Beruhigungstees vor.

Und wie erdet die Tuba?
Wenn man einen Bläsersatz mit Posaunen und Trompeten hat, klingt das schon sehr brillant. Denn wenn man einen Dreiklang mit Blechbläsern spielt, dann schwingt alles, da gibt es immer innere Bewegungen. Und wenn dann von unten als Fundament die Tuba kommt, dann verwurzelt mich das regelrecht.

Ihr spielt bevorzugt barfuß. Hat das auch was mit Erdung zu tun?
Klar! Du spürst den Ort ganz anders, wenn du barfuß auftrittst. Du spürst das, wenn es eine richtig tolle Holzbühne ist. Aber eigentlich hat das nur einen praktischen Grund. Wir haben nämlich auch schon mit Schuhen gespielt. Weil wir auf der Bühne aber so unsagbar viel schwitzen, haben die Schuhe bei einer Tournee schon nach dem ersten Tag gestunken. Und wir saßen damals zusammen in einem Passat. Da haben wir die Schuhe einfach rausgeschmissen. Seitdem spielen wir meistens barfuß. Wenn wir dann fertig sind, brauchen wir die Füße nur zu waschen, und alles passt wieder.

Neben LaBrassBanda und dem eigenen Label betreibst du ja auch eine Zeitschrift mit, die MUH, und einen eigenen Radiosender hast du auch gegründet, das BUH. Wie geht es diesenMedien eigentlich in der Pandemie?
Irgendwie okay. Uns ist es vorher scheiße gegangen, und es geht uns jetzt scheiße. Aber das ist halt Kultur. Und Kulturförderung heißt eben auch, Opfer zu bringen und Sachen zu machen, die jetzt nicht total hip sind. Als ich in München studierte, hatte ich immer nur M94.5 gehört. Weil ich solche Sender so wichtig finde, die die Subkultur, die Gegenwartskultur ins Radio bringen. Das macht uns aus, und wir werden dadurch immer mehr open minded. So funktioniert auch das Radio BUH, wo wir viele bayerische Nachwuchsbands im Programm haben, die sonst nicht im Radio gehört werden. Und das MUH schafft Raum für bayerische Geschichten, die in den großen Tageszeitungen kaum stattfinden. Den Erfolg solcher Medien kannst du nicht mit finanziellen Einnahmen messen.

Das wäre jetzt ein schönes Schlusswort. Trotzdem möchte ich aber noch wissen, wird es nach der »Yoga Symphonie 1« auch eine zweite Sinfonie geben?
Ja, wir sind schon am Machen. Die Sinfonie Nummer 2 kommt vielleicht schon Ende des Jahres raus. Diesmal könnte eine Ziehharmonika inmitten der Blasinstrumente auftauchen. Die ist für mich wie so eine Art bayerischer Synthie mit ihren Bässen. ||

LABRASSBANDA: YOGA SYMPHONY NO.1

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