Die Boulevard-Farce »Meier Müller Schulz« in der Drehleier erfindet einen Ausweg aus der Single-Einsamkeit.

»Meier Müller Schulz« in der Drehleier:

Geisel der Gesellschaft

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Herr Meier (Max Beier), Frau Müller (Uta Kargel) und Herr Schulz (Sandro Kirtzel) wollen nicht mehr einsam sein | © Drehleier

Lieber woanders sein, das möchten wohl die meisten gern in diesen Pandemie-Zeiten. Bloß wo? Es ist ja nirgends besser. Einen drastischen Ausweg aus seiner Einsamkeit findet Herr Meier: Er kidnappt einfach so auf der Straße den Lehrer Schulz und verschleppt ihn gefesselt und maskiert in seine Wohnung. Er braucht Gesellschaft. Die braucht auch Frau Müller, die alle naslang mit selbst gebackenem Kuchen bei Meier klingelt. Sie sucht dringend einen Alibiverlobten zur Präsentation bei ihren Eltern, aber noch dringender wirkliche Zweisamkeit.

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Man könnte glauben, die reichlich absurde Boulevardkomödie sei das Stück zur Stunde. Doch »Meier Müller Schulzoder Nie wieder einsam« von Marc Becker wurde bereits 2009 in Oldenburg uraufgeführt. Jetzt spielen Max Beier (Meier), Sandro Kirtzel (Schulz) und Uta Kargel (Frau Müller) diesen überdrehten Wahnwitz höchst vergnüglich in der Drehleier. Die Premiere und die ersten Aufführungen bis 6. März wurden gestreamt, die nächsten im April und Mai sind live geplant, sofern nicht eine dritte Coronawelle die Hoffnung ausbremst.

Die Schauspieler (Max Beier ist ja auch Kabarettist) hatten in der Drehleier schon mit »Kasimir & Kaukasus« einen Komödien-Erfolg. Das Trio und sein Regisseur Stefan Jonas fanden bei der Telenovela »Sturm der Liebe« zusammen. Die Boulevardschiene ist eher neu für die alteingesessene Kabarettbühne Drehleier. Aber der Leiter und Gründer Werner Winkler bietet ein breit gefächertes Programm, von bissiger Politsatire (Sigi Zimmerschied) über das Improtheater »Tatwort« und ironische Schlagershows (»Italia con amore«) bis zu frivoler Frauen-Burleske. Und eigene Produktionen gehörten immer dazu: Im Gründungslokal in der Balanstraße war viele Jahre das »Varieté Spectaculum« Kult. In den letzten Jahren in der Rosenheimer Straße hat Winkler, auch musikalisch unterstützt von seinem Sohn, dem Moderator Sebastian Winkler, eigene Stücke wie das »Jennerwein-Komplott« herausgebracht bis hin zum Klamottenklassiker »Pension Schöller«. Jetzt sitzt da also die Geisel Schulz bei Herrn Meier, und langsam tastet man sich aneinander heran. Für das generös angebotene Käsebrot mit Gurke müssen irgendwann wenigstens die Handschellen runter. Und dann stört da halt immer Frau Müller mit ihrem leckeren Kuchen und ihrem Liebesbedürfnis, die Maske fällt, eine Pistole sorgt für Aufregung. Zehn Tage später ist das Geiselnehmen zum Massenphänomen geworden, die Medien melden immer mehr Fälle. Meier und Schulz haben sich arrangiert, Schulz scheint die Situation sogar herbeigewünscht zu haben. Das ist mit gutem Timing turbulent inszeniert und von Max Beier, Sandro Kirtzel und Uta Kargel aufgekratzt gespielt. Und weil das Stück schon vor Corona entstand, finden Meier Müller Schulz jeder für sich einen Ausweg aus der Einsamkeit in ein neues Leben. ||

MEIER MÜLLER SCHULZ
Drehleier | Rosenheimer Str. 123
19.– 21. April, 25.–27., 29. Mai
20 Uhr | Tickets: info@theater-drehleier.de | 089 482742

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