Tobias Krell ist der neue Leiter des Kinderfilmfests beim Internationalen Filmfest München.

Tobias Krell: »Kino ist ein Reisemedium«

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Von nun an für das Kinderfilmprogramm beim Filmfest München zuständig: Tobias Krell alias »Checker Tobi« | © Hans-Florian Hopfner

Tobias Krell studierte in Münster Soziologie und Politikwissenschaft sowie Medienwissenschaft an der Filmuniversität »Konrad Wolf« in Potsdam-Babelsberg. Er stand von 2008 bis 2014 als Reporter und Filmkritiker für DASDING.tv, das junge Programm des SWR, vor der Kamera. Seit 2010 arbeitet der 34-Jährige als Moderator u.a. für die Berlinale und fürs Filmfestival Max Ophüls-Preis, und seit 2012 ist er als »Checker Tobi« in der KIKA-Kinderwissenschaftssendung regelmäßig im Fernsehen zu sehen. 2019 gab es den ersten »Checker Tobi«-Kinofilm, der auch auf dem Münchner Kinderfilmfest im Programm war. Tobias Krell schafft es, komplexe Inhalte so zu vermitteln, dass sie jeder versteht, ohne sich unterfordert zu fühlen. Seine Vorgängerinnen Katrin Hoffmann, die das Kinderfilmfest 14 Jahre lang geprägt hat, und Katrin Miller, die zwei Jahre für das Programm zuständig war, freuen sich vor allem über zwei Aspekte: zum einen, dass endlich mal ein Mann in diesem frauenlastigen Feld auftaucht. Und zum andern, dass die Kinderfilm-Schiene durch ihn und seine bei den Kindern gut bekannte Prominenz auch etwas von dem Glamour abkriegt, der sonst dem »großen« Filmfest vorbehalten war, und so zusätzliches Publikum anzieht. »Dem Kinderfilmfest hätte nichts Besseres passieren können«, sagen die beiden einhellig. Ganz schön viele Vorschusslorbeeren! Wir haben nachgefragt, wie er sich seiner neuen Aufgabe nähert.

Herr Krell, über Ihre Rolle als »Checker Tobi« haben Sie einmal gesagt: »Ich bin ein Fragensteller, der für Kinder losgeht und versucht, Dinge herauszufinden. Dafür gehe ich zu Leuten, die sich auskennen und mir alles erklären. Wenn ich es verstanden habe, dann können es Kinder auch verstehen.« Wie würden Sie einem Kind erklären, was das Filmfest München ist?
Das Filmfest München sind ein paar Tage im Sommer, an denen in vielen Kinos besondere Filme gezeigt werden, die Leute, sogenannte Kuratoren, speziell fürs Filmfest ausgesucht haben und die nur in den paar Tagen laufen. Dasselbe gilt fürs Kinderfilmfest: Da gibt es ungewöhnliche Filme aus allen möglichen Ländern, die sonst kaum zu sehen sind.

Was reizt Sie daran, das Kinderfilmfest zu kuratieren?
Das ist eine mehrstufige Antwort: Erstens liebe ich das Medium Film, seit ich ein Teenager bin. Deshalb freue ich mich auch so sehr über diesen Job, weil sich hier alles Mögliche verbindet, was ich in den letzten 15 Jahren gemacht habe. Beim Kinderfilm können Kinder andere Lebenswelten entdecken. Das funktioniert, wenn der Film seine Zuschauer ernst nimmt. Im Film lernen Kinder durchs Erleben! Wichtig ist mir, dass das Programm die Kinder spielerisch, unterhaltsam und trotzdem fordernd in Welten mitnimmt, auf die sie sonst vielleicht gar
nicht gekommen wären. Man kann die Kinder für die abseitigsten Aspekte der Filmwelt begeistern, davon bin ich überzeugt – wenn man sie ernst nimmt.

Wie kriegen Sie die Kinder ins Kino?
Mit Corona ist das alles nicht so einfach, aber wir nehmen es als Herausforderung und entwickeln gerade diverse Szenarien und Vorgehensweisen, wie wir in Kontakt kommen, mit Schulen, Eltern und den Kindern direkt. Die Strukturen bei der Vermittlung sind dank Katrin Hoffmann und Katrin Miller bestens aufgestellt, da müssen wir das Rad zum Glück nicht komplett neu erfinden.

Das Kinderfilmfest München hatte immer auch ein differenziertes Begleitprogramm für Pädagogen, Filmtheoretiker und Filmvermittler. Bleibt dieses Angebot erhalten?
Ich bin im Kontakt mit all diesen Leuten und ich mag den Gedanken, dass das Kinderfilmfest ein Treffpunkt für die Branche bleibt. Was konkret möglich sein wird, ist im Moment noch schwer abzusehen.

Welche Filme haben Sie in Ihrer Kindheit gesehen, die Sie bis heute begleiten?
Natürlich die Klassiker, die ich mit meinen jüngeren Geschwistern gesehen habe: Die Astrid Lindgren-Filme, »Pippi Langstrumpf« zum Beispiel und »Bullerbü« und all die anderen. Dann weiß ich noch, dass ich mit großer Begeisterung Fernsehserien angeschaut habe, im ARD-Vorabendprogramm, ich glaube, eine hieß »Die Kinderklinik«. Oder dann mit 12, 13 Jahren auch Filme, für die ich eigentlich zu jung war, wie »Der weiße Hai«, »Das Boot« oder »Indiana Jones«. Die wollte ich dann am liebsten täglich sehen. Viele Disney-Filme natürlich, mein erster Kinobesuch war Anfang der 90er Jahre »Aladdin«, da war ich ungefähr sechs Jahre alt. Mit 13 sah ich Hans-Christian Schmids »Crazy«, den gleich zweimal hintereinander. Im Kino kann man feststellen, dass man nicht allein ist mit seinen Fragen ans Leben. Manche Filme können richtige Freunde werden. Und mit 17, 18 Jahren war die Leidenschaft nicht mehr aufzuhalten.

Wo finden Sie die Filme, die Sie zeigen wollen?
Teils werden uns die Filme angeboten, dann bekommen wir Sichtungslinks von Produzenten. Ich schaue natürlich, was andere Festivals zeigen. Zum Beispiel, was die Berlinale im Programm »Generation« macht, wo ich auch schon lange als Moderator Teil des Teams bin, oder was beim Festival »Goldener Spatz« gezeigt wird. Und dann habe ich noch meine Kontakte in die Filmhochschule in Potsdam, das hilft auch.

Das Kinderkino ist seit jeher eine sehr kleine Nische. Was sind die Folgen nach über einem Jahr ohne Kinder im Kino?
Da geht es der Kinderkinobranche nicht anders als dem Kino generell. Wenn die Kinos wieder öffnen, dann wird es auch hier wieder losgehen. Ich hoffe, dass alle Projekte, die jetzt ausgebremst wurden, schnellstmöglich weitermachen können. Ganz viele Filme stapeln sich bei den Verleihern, aber wenn sich der Nebel lichtet, wird sich das sicher sortieren. Ich glaube nicht, dass die Kinder das Kino als wichtigen Ort vergessen haben.

Was soll Kino für Kinder können?
Kinder in ihrer Lebenswelt abholen, mit allen Hoffnungen, Sorgen und Ängsten. Kino ist ein Reisemedium. Es soll bewegen, emotional genauso wie im Kopf. ||

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