Das Homeoffice für Musiker kann ziemlich kreativ sein. Wie zum Beispiel bei Alligator Gozaimasu.

Alligator Gozaimasu: Alle machen mit

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Alligator Gozaimazu, Aoi Swimming | © Klaus Erika Dietl

Schon als Schwimmlehrer erkannte Jean-Pierre Brisset 1871 eine Verwandtschaft des Menschen mit dem Frosch. Den Beweis für solche evolutionäre Nähe lieferte er aber erst zwölf Jahre später, als der landläufig als Linguist tätige Forscher in der Neuauflage seiner französischen Grammatik eine Klangähnlichkeit der französischen Sprache zu Froschlauten ausmachte. Tatsächlich soll er sogar versucht haben, mit Amphibien zu kommunizieren, hat die Künstlerin Katrin Petroschkat in der beim Berliner Verlag Zero Sharp erschienenen Dokumentation »Jean-Pierre Brisset, Fürst der Denker« gelesen. Das einschlägige, auch von den Surrealisten gefeierte Werk inspirierte wiederum die performative Kunst, die Petroschkat zusammen mit zwei Mitstreiterinnen als »The Hercules And The Leo Case« in München entwickelte.

Ihrer Performance entstammt dann auch die Tonaufnahme der von Brisset inspirierten Lautmalerei »Qoi Que Tu Dis«, die die Künstlerin Inga nun mit Klangeffekten, einem weiteren Gesang und einer zusätzlichen Instrumentierung in ein spannendes Musikstück verwandelte. Inga, deren heuer bei Trikont erschienenes Debütalbum »Tears And Teeth« sogar in der zahnmedizinischen Fachzeitschrift Dental-Magazin besprochen wurde, eröffnet zusammen mit »The Hercules And The Leo Case« das erste von mittlerweile vier Episodenalben des internationalen Kollektivs Alligator Gozaimasu. Ursprünglich stand dieser Name für die Zusammenarbeit der Münchner Künstlerin Stephanie Müller und ihrer Band Beißpony mit japanischen Musikerinnen. Im Münchner Kulturzentrum Import Export hatten sie alle zusammen einmal zu »public recordings« geladen, an denen sich dann auch andere Interessierte beteiligten.

Das Ergebnis ist auf dem bereits 2016 erschienenen Album »Alligator Gozaimasu« zu hören. Während des ersten coronabedingten Lockdowns nahm Müller via Internet wieder Kontakt mit den Mitgliedern von Alligator Gozaimasu auf sowie zu anderen Künstlern, die sie allesamt nun zu einer internationalen Kooperation einlud. Dafür stellten die Beteiligten Klangwerke auf eine Plattform, auf der andere Künstler sie nun weiterverarbeiten konnten. »Natürlich konnten dabei deine eigenen Werke völlig entstellt werden«, räumt Inga ein. Trotzdem genoss sie den kollektiven Schaffensprozess. Mitunter habe es aber auch Absprachen gegeben. Und die Initiatorin Stephanie Müller merkt an, dass man sich auch gezielt Kooperationspartner aus der Gruppe habe aussuchen können, um mit denen dann etwas gemeinsam zu planen. Die meisten hätten sich allerdings auf das Abenteuer eingelassen, dass jeder die Beiträge ungefragt bearbeiten konnte, wie er wollte. Die fertigen Werke eint Müller auf Alben, für die sie das eigene Label RagRec gegründet hat. »Einige Teilnehmer hatten sofort ganz viel Drive und machten sich gleich ans Werk. Andere, die ich anschrieb, wollten zwar mitmachen, brauchten für sich aber noch Zeit, um sich auf das Projekt einlassen zu können«, erklärt Müller, warum sie sich entschlossen hatte, das so konzipierte zweite Album von Alligator Gozaimasu namens »Solange Bunte Balken Durchlaufen« in mehreren Episoden zu veröffentlichen. Mindestens bis Dezember erscheint monatlich eine Episode. »Dann schauen wir mal, wie viel Energie noch da ist.« Die Alben sind übrigens auf Bandcamp.com zu hören und zu kaufen. Die Einnahmen gehen an Sea Watch e.V. ||

SOLANGE BUNTE BALKEN DURCHLAUFEN
Alligator Gozaimazu | Online-Musikprojekt | https://alligatorgozaimasu.bandcamp.com/

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