Am 3. Oktober erschien unsere 100. Ausgabe. Die Redaktion und ehemalige MitstreiterInnen haben noch einmal zurück geblickt und ihre Gedanken zu diesem Ereignis formuliert. Hier gibt es wöchentlich eine Auswahl davon.

Begeisterung, Sturheit und einen langen Atem braucht, wer ein Kulturblatt gründet.

CHRISTIANE WECHSELBERGER, Gründungsmitglied, MF-Autorin seit 2011 und MF-Theaterredakteurin seit 2017
Die erste Situation, an die ich mich erinnere, ist, dass Christiane Pfau zu mir kam und meinte, sie müsse mal über was mit mir reden – aber was Schönes. Das klang beunruhigend. Dass ihr aberwitziger Plan geklappt hat, ohne Geld eine Kulturzeitung auf die Beine zu stellen, wundert mich heute noch. Dass wir mehr oder weniger zu prekären Konditionen arbeiten, wie sie im Kulturjournalismus leider gang und gäbe sind, auch wenn oben jemand sitzt, der sich eine goldene Nase verdient, würde ich sonst nicht machen. Aber hier sitzt halt keiner oben und verdient und hält uns klein. Deswegen arbeite ich fürs MF, aber in erster Linie, weil das der Beruf ist, den ich gelernt habe. Ich arbeite hier mit, weil mir kein Chef sagt, was ich zu tun und zu lassen habe, weil ich Themen frei entscheiden und so gewichten kann, dass nicht nur die Großen zum Zug kommen. Und ich finde es toll, dass gute AutorInnen sich darauf einlassen, für unsere kleine Zeitung zu schreiben, weil sie da eben auch ihre Themen unterbringen können. ||

THOMAS BETZ, Gründungsmitglied, MF-Lyrik-, Tanz- und Kunst/Design-Redakteur seit 2011
Bei der großen Versammlung vor der Gründung hatte ich mich als möglicher Korrekturleser vorgestellt, und wurde dann auch Schlussredakteur der bunten, diskussionsfreudigen Truppe. So lernte ich den Blindtext als Gestaltungsmittel des Redakteurs wie als Ausdrucksform des Autors lieben. Schön, dass Quint Buchholz für die »Augenweide«, unser ganzseitiges Kunst-Blatt, in der Nummer 01 unveröffentlichte, wundersame Stadtansichten zur Verfügung stellte. Schön auch, dass wir in jeder Ausgabe ein liebevoll und sorgsam ausgewähltes Gedicht präsentieren, von Ilse Aichinger (die damals noch lebte) über Marjana Gaponenko und Inge Müller bis Georg von der Vring und Walt Whitman. Unser schönster Druckfehler übrigens war, von Autor, Redakteurin und mir insgesamt fünfmal überlesen: Angelika Merkel. ||

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