Trotz Corona-Krise zieht Filmfestleiter Matthias Helwig sein Fünf Seen Filmfestival durch. Dabei setzt er wie immer auf bestmögliche Qualität, große Namen, vor allem aber auf eine dreigleisige Präsentationsstrategie.

Fünf Seen Filmfestival: Kino klassisch, online und open air

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So wie in den vergangenen Jahren wird das Fünf Seen Filmfestival nicht aussehen. Festivalleiter Matthias Helwig setzt aber alles daran, den Besuchern auch in diesem Jahr die möglichst beste Kinoerfahrung zu ermöglichen | © Fünf Seen Filmfest

Endlich einmal eine gute Nachricht für alle Cineasten, Kinoenthusiasten und diejenigen, die in entspannt-freundlicher Atmosphäre das eine oder andere Filmjuwel entdecken wollen. Die 14. Ausgabe des Fünf Seen Filmfestivals findet statt, und zwar vom 26. August bis zum 9. September 2020 an den bewährten Spielorten in den Breitwandkinos in Starnberg, Gauting und Seefeld. Festivaldirektor Matthias Helwig zeigt sich »trotz aller Herausforderungen fest entschlossen, dem Publikum, den Filmschaffenden und der Region im Spätsommer einen Ort der Begegnung zu schaffen.« Es versteht sich von selbst, dass das Filmfest bedingt durch die Corona-Krise unter anderen Vorzeichen über die Bühne gehen wird. Deshalb hat sich Helwig für eine dreigleisige Lösung entschieden.

So wird es neben den klassischen Vorführungen in den Kinos auch die Möglichkeit geben, bestimmte Filme über die Onlineplattform Filmpresskit sichten zu können. Und schließlich wird der Fokus auf Veranstaltungen gelegt, die im Freien durchgeführt werden können. Denn, so Helwig, »da davon auszugehen ist, dass das Leben in diesem Sommer vor allem outdoor angenommen wird, werden wir während des Festivals zwei Open-Air-Spielstätten planen, am Starnberger See und am Wörthsee. Dazu werden wir mit einem Cinemamobile – einem Lastwagen mit Kinoleinwand – an verschiedenen Orten des Fünfseenlandes ebenfalls Open-Air-Filme aus dem Festivalprogramm zeigen.«

Auch 2020 werden alle bekannten Reihen wie der FSFF-Filmpreis, der Horizonte-Filmpreis oder die Perspektive Junges Kino zu finden sein. Zudem werden einmal mehr zahlreiche hochkarätige Gäste im Fünfseenland erwartet. Eine davon ist die renommierte Schauspielerin Nina Hoss, die, nach Barbara Auer im letzten Jahr, mit dem Hannelore-Elsner-Preis ausgezeichnet wird. Sie kommt am 5. und 6. September und stellt unter anderem ihren Film »Schwesterlein« vor, ein intensives Geschwisterporträt des Schweizer Regieduos Stéphanie Chuat und Véronique Reymond, in dem Hoss neben Lars Eidinger agiert. Darüber hinaus finden sich im Programm: »Pelikanblut – aus Liebe zu meiner Tochter«, eine Mischung aus Drama und Psychothriller, sowie das unkonventionelle Frauenporträt »Das Vorspiel« von Schauspielkollegin Ina Weisse, in dem Hoss als ehrgeizige Geigenlehrerin alle Register ihres Könnens zieht. Und schließlich darf mit »Barbara« auch ein Werk des Regisseurs Christian Petzold, mit dem sie eine mehrjährige kreative Arbeitsbeziehung verbindet, nicht fehlen. Dazu merkt der Filmfestleiter an: »Nina Hoss hat seit Jahren und mit jedem weiteren Film sowohl national als auch international bewiesen, welch herausragende Schauspielerin sie ist. Mit ihrem Spiel gewinnen die von ihr verkörperten Frauenfiguren Vielschichtigkeit und Tiefe.« Im Übrigen wird auch Lars Eidinger erwartet, der am 27. August seinen neuen Film »Persischstunden« vorstellt, der auf der literarischen Vorlage von Wolfgang Kohlhaase basiert und auf der letzten Berlinale seine Weltpremiere feierte. Zudem hat sich auch Klaus Doldinger angekündigt. Der begnadete (Jazz-)Musiker, der unter anderem die Filmmusiken zu »Das Boot« oder »Die unendliche Geschichte« (der ebenfalls gezeigt wird) komponierte, wird ein Konzert geben.

Als Gastland wird in diesem Jahr die Ukraine vorgestellt. »Das stand«, so Helwig, »schon sehr früh fest, bereits 2019 auf der Viennale, wo ich wirklich tolle Filme gesehen habe.« Zu sehen sind unter anderem »The Forgotten«, der zweite Film der Münchner HFF-Absolventin Daria Onischtschenko, die 2012 mit ihrem mitreißenden Migrantendrama »Eastalgia« mit Karl Markovics in einer der Hauptrollen die Internationalen Hofer Filmtage eröffnen durfte. Ebenfalls im Programm: der Berlinale-Beitrag »The Earth is Blue as an Orange«. In diesem Dokumentarfilm zeigt Regisseurin Iryna Tsilyk das Leben ihrer Familie im Krieg und thematisiert deren Ängste und kleinen Freuden. Andere Produktionen kreisen um Tschernobyl und die bis heute spürbaren Auswirkungen der Nuklearkatastrophe von 1986 oder setzen sich kritisch mit dem Regiment Asow auseinander. Nach Ungarn und Serbien hat Helwig erneut ein Land ausgewählt, das international gesehen nicht unbedingt als Filmnation bekannt ist: »Ich finde Länder immer spannend, über die wir bestimmte Vorurteile besitzen und von denen man sich gewisse Dinge vorstellt, die so gar nicht der Wirklichkeit entsprechen. Viele der ukrainischen Beiträge besitzen eine derartige Kraft, eine enorme Bildgewalt wie ich sie mir auch von unseren Filmemachern gerne wünschen würde.« Leider werden die meisten Künstler aufgrund der Pandemierestriktionen ihre Werke nicht persönlich vorstellen können. Dennoch wird es Filmgespräche mit in Deutschland lebenden Ukrainern geben, die einen Eindruck von ihrer Heimat und deren Kreativen vermitteln können.

Dass die Corona-Krise uns alle fest im Griff hat, spürt man auch schon in ersten Ansätzen im Programm. Zwar gibt es noch keinen abendfüllenden Film zum Thema, das wäre aus technischer Sicht in der Kürze der Zeit auch gar nicht möglich gewesen. Aber es finden sich bereits zwei Kurzfilme, die sich um das Virus drehen. Dazu Helwig: »Es gibt ein Projekt, das aus Starnberg stammt und eher ernstere Töne anschlägt, und eines, das die Problematik mehr auf komödiantische Art angeht. Beide Werke werden im Kurzfilmprogramm gezeigt und von Diskussionen begleitet.«

Fakt ist, dass diese Festivalausgabe ganz anders sein wirdals ihre Vorgänger. Wie alle anderen hat auch Matthias Helwig unter Corona und den damit verbundenen strengen Auflagen zu leiden. Deshalb wird das Filmfest auch eine längere Laufzeit haben, um die Abstandsregelungen und Hygienevorschriften und die damit verbundenen geringeren Kapazitäten in den Kinos berücksichtigen zu können. Helwig rechnet daher damit, dass sich die Besucherzahl von 21000 im letzten Jahr sehr drastisch auf rund 7 000 reduzieren wird. »Aber es sind nicht nur Zuschauer, die uns fehlen, sondern auch Geld. Wir mussten vieles einfach runterfahren, auch an Personal, und manche Dinge, die einfach absolut nicht gehen, wie etwa unsere beliebte Dampferfahrt auf dem Starnberger See, aus Kostengründen ersatzlos streichen.«

Doch Helwig ist eine Kämpfernatur, die uneingeschränkte Liebe zum Kino ist es, die ihn immer wieder motiviert: »Ich wäre wirklich zufrieden, wenn wir ein Festival haben, auf dem sich Leute trotz der Pandemie begegnen und ins Gespräch kommen können. Und dass sie vor allen Dingen wieder erleben, wie schön Kino ist, wie wichtig Kino ist und dass sie diese Erfahrung einfach mitnehmen.« Mehr Infos zum Festival gibt es auf der sehr informativen und immer gut gepflegten Webseite ||

14. FÜNF SEEN FILMFESTIVAL
26. August bis 9. September | Spielorte in Starnberg, Gauting und Seefeld | Informationen

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