In Australien füllt die Folkband Boy & Bear große Hallen. In München kann man sie noch im Strom Club erleben.

Fachleute auch für ernste Lieder: Boy & Bear © Oktober Promotion

Eine Zeit lang stand bei dem Jungen und dem Bären alles auf der Kippe. Denn Dave Hosking, Sänger, Gitarrist und Kopf der australischen Folkrockband Boy & Bear, war an Depressionen erkrankt, die mit das Nervensystem angreifenden Darmbakterien zusammenhingen. Die ersten Anzeichen gab es wohl schon 2011, bei den Aufnahmen des Debütalbums. Diagnostiziert wurde die Krankheit aber erst, nachdem sie Hosking körperlich fast völlig ausgeknockt hatte. Jetzt ist der Musiker auf dem Weg der Besserung, wovon das vierte Boy-&-Bear-Album »Suck On Light« zeugt, das die Australier nach einer vierjährigen Veröffentlichungspause im September 2019 herausgebracht haben und nun im Münchner Strom live vorstellen. Dafür sind sie mit Collin Dupuis ins Studio gegangen, der auch schon Lana Del Rey, Angel Olson oder The Black Keys produziert hat. Und zwar in Nashville, was wohl den leichten Vintagesound der insgesamt zwölf Songs erklärt.

Wer Boy & Bear nicht kennt: In Australien waren bisher alle Alben des 2009 in Sydney gegründeten Quintetts in den Top Ten. Mit ihrem Debüt »Moonfire« schafften es Boy & Bear bereits auf Platz zwei, mit »Harlequin Dream« und »Limit Of Love« in Down Under sogar bis an die Chartsspitze. »Suck On Light« bescherte ihnen nun immerhin Rang sieben. Was insgesamt zeigt: Der radiotaugliche Sound von Boy & Bear hat durchaus etwas Gefälliges: mit Bands und Musikern wie Fleetwood Mac, Midnight Oil oder Bruce Springsteen als möglichen Vorbildern sowie Texten, die von Liebe, Einsamkeit oder dem australischen Farmleben erzählen. Das ist bei »Suck On Light«, ihrem bisher besten Album, nicht so viel anders. Aber mit Anklängen an die Beatles (»Work Of Art«), U2 (»Rocking Horse«) oder psychedelischen Folk à la Tame Impala (»Bad People«) klingt die Musik abwechslungsreicher als früher. Und aus Texten wie etwa dem des Titelsongs, in dem Hosking relativ unverblümt seine Krisenzeit verarbeitet, spricht ein größerer, von Melancholie getränkter Ernst. Passend zu den ernsten Zeiten, die das brennende Australien in den letzten Monaten erlebt hat. ||

BOY & BEAR
Strom| Lindwurmstr. 88 | 16. Februar | 21 Uhr
Tickets: 089 54818181