Alcest füllen das Technikum mit musikalischen Fantasien. Ob man das Metal nennt, ist nebensächlich.

Metal-Melancholiker: Alcest | © Alcest

Mit der Mär von harten Männern, die ihre sensible Seite entdeckt haben, braucht man hier gar nicht anfangen. Wie andere Menschen auch verfügen Musiker schließlich über eine ganze Bandbreite von Emotionen. Im Fall von Alcest überlagern sich die Gefühle sogar und schaffen etwas völlig Neues. Wobei es schon obskur klingt, wenn Musiker aus der französischen Black Metal-Szene anfangen, warme, verträumte Harmonien zu produzieren. Jedenfalls wurde Alcest 2000 als Soloprojekt des damals 15-jährigen Neige (zu deutsch »Schnee«) gegründet. Und das erste Demo war dann auch wirklich noch düsteres Geschepper. Erst sechs Jahre später sollte mit dem Album »Souvenirs d’un autre monde« der Sound geboren werden, für den die Band auch über Metal-Kreise hinaus bekannt ist. Die Grundlage dafür bezeichnet Neige als »Erinnerungen an ein vorheriges Leben«. Der Musikkritiker würde die Bausteine eher als Shoegaze, Dream Pop und Post Rock bezeichnen. Und Black Metal kommt ab und an in Gestalt von Blast-Beasts oder markerschütterndem Schreien auch noch durch. Seit Mitte der 2000er gibt es dafür auch die eigene Genrebezeichnung Blackgaze.

Die Texte der Band sind unter anderem geprägt von Neiges Vorliebe für Astrologie, außerkörperliche Erfahrungen, japanische Mythologie und Erinnerungen an die Kindheit. Daher zieht sich ein Grundgefühl von Nostalgie unabhängig von musikalischen und textlichen Schwerpunkten durch das ganze Werk von Alcest. Damit verbunden immer die Melancholie, angesichts des verlorenen Paradieses. Oder auch die Traurigkeit, diese Erfahrung nie erlebt zu haben. Das schrammt oft schon knapp am Kitsch vorbei. Wenn man gerade schwebt, fällt das jedoch kaum ins Gewicht. Und die Fans kümmert das wenig. Seit Jahren touren Alcest schon als Headliner vor Szene-Events durch die Welt, von Cure-Sänger Robert Smith wurden sie 2018 persönlich auf das Meltdown Festival in London eingeladen. Am 9. Februar nun biegen sie auch ins Münchner Technikum ein. Eine wunderbare Gelegenheit, um Gegensätze wie Metal und Pop, Kitsch und Kunst einfach Begriffe sein zu lassen und ein paar Fantasiewelten zu durchstreifen. ||

ALCEST
Technikum| 9. Februar| 19.30 Uhr | Tickets: 089 54818181