Die Shoegaze-Pioniere Ride legen ihren Klangteppich über das Strom.

Hier stehen sie mal still: Ride| © Steve Gullick

Das Magazin »Melody Maker« kürte sie 1990 zum Hoffnungsträger des Jahres. Sechs Jahre später war aber Schluss. Mit dem festen Platz auf dem Rock-Olymp wurde es nichts, dafür mit dem Pionierstatus in der Indie-Ruhmeshalle. Die Band Ride gründete sich 1988 in Oxford. Einflüsse wie The Smiths oder Sonic Youth verwoben sie zu einem eingängigen und trotzdem abgehobenen Gebräu, das unter dem Begriff Shoegaze bekannt ist, eine Einordnung, mit der der Sänger und Gitarrist Andy Bell allerdings bis heute nichts anfangen kann. Gitarrenwände, Verzerrerorgien und trotzdem wunderschöne Popmelodien – Anfang der Neunziger jedenfalls war das neu und aufregend. Die Alben »Nowhere« und »Going Blank Again« schafften es sogar in die vordersten Chart-Ränge. Auch Kult-DJ John Peel war begeistert und lud sie in die BBC Studios ein.

Und dann begann das Schiff zu sinken. Die Differenzen zwischen den Songwritern Andy Bell und Mark Gardener wurden immer größer. Für »Carnival of Lights« beanspruchte jeder eine eigene Plattenseite. Zwar konnte Deep-Purple-Keyboarder Jon Lord als Gaststar gewonnen werden, doch die Sache blieb unausgegoren. Und auch die Musikwelt änderte sich. Nach den verträumten Experimenten der Shoegaze-Welle war der radiotaugliche Britpop von Oasis und Blur jetzt das Ding der Stunde. Ride versuchten also, ihren Sound anzupassen. Das Ergebnis »Tarantula« floppte völlig und die Band brach auseinander.

Erst 2014 raufte man sich wieder zusammen und beehrte das Primavera Festival in Barcelona – angekündigt lediglich durch ein schwarzes Plakat mit dem weißen Schriftzug »RIDE«. Es sollte wieder drei Jahre dauern, bis mit »Weather Diaries« eine neue Platte produziert wurde. Auf dem aktuellen Album »This is Not a Safe Place« hat man wieder zum Sound der Anfangstage zurückgefunden. Ein zweites »Nowhere« ist es natürlich nicht, experimenteller Pop ist 2019 eben auch nichts mehr Exotisches. Aber die alte Ride-Formel zwischen Ohrwürmern und luziden Sphären funktioniert immer noch. Deshalb lohnt es sich auch, Anfang Februar auf einen Tauchgang durchs Klangmeer ins Strom zu gehen. ||

RIDE
Strom | Lindwurmstr. 88 |3. Februar | 20 Uhr
Tickets: 01806 570070