Tyler Nilson und Michael Schwartz gelingt mit ihrer Independent-Film »The Peanut Butter Falcon« eine brillante Tragikomödie zum Thema Down-Syndrom.

Zack Gottsagen und Shia LaBeouf in »The Peanut Butter Falcon« © Tobis

Zak lebt in einem Altenheim. Obwohl er sich mit den Anwohnern bestens versteht, ist er hier fehl am Platz. Denn Zak leidet nicht an Altersschwäche, sondern er ist schlicht ein junger Mann mit Down-Syndrom. Da das US-Gesundheitssystem aber keine andere Einrichtung für ihn vorsieht, fristet Zak ein Dasein geprägt von permanenter Unterforderung. Der einzige Lichtblick in seinem Alltag ist seine Betreuerin Eleanor (Dakota Johnson), die er in seine Pläne ein großer Wrestling-Star zu werden, einweiht. Leider hat aber auch Eleanor nur wenig Verständnis für Zaks Fluchtpläne aus dem Seniorenheim.

Eines Nachts gelingt ihm dennoch der Clou. Mithilfe seines Zimmergenossen bricht Zak aus dem Heim aus. Nur in Unterhose bekleidet, beginnt für den Helden eine wahrhafte Odyssee in den Weiten North Carolinas. Der US-Küstenstaat ist auch die Heimat der beiden Filmemacher Tyler Nilson und Michael Schwartz. Das Drehbuch für ihren Film »The Peanut Butter Falcon« haben sie ihrem Protagonisten auf den Leib geschrieben. Im wahren Leben heißt der Zack Gottsagen und hat wie der von ihm verkörperte Filmrebell das Down-Syndrom. Für gewöhnlich werden im Kino Hollywoods Menschen mit Behinderung von nicht-beeinträchtigten Schauspielerinnen und Schauspielern verkörpert. Häufig ernten diese für ihre einfühlsamen Performances auch Filmpreise, wogegen per se nichts einzuwenden ist. Anhand der Independent-Produktion »The Peanut Butter Falcon« wird aber der Unterschied deutlich, den ein Schauspieler wie Gottsagen machen kann. Dessen Präsenz alleine wäre schon in der Lage, den Film zu tragen.

Magisch aber wird es in der schauspielerischen Synergie, nämlich dann, wenn Zak auf seinen Reisen seinem künftigen Weggenossen Tyler begegnet. Manche Kritiker haben die Dynamik der beiden Darsteller gar mit den berühmten Figurenkonstellationen Mark Twains verglichen. Tyler wird von Shia LaBeouf verkörpert, der zuletzt häufig mit Eskapaden neben der Leinwand auf sich aufmerksam machte. Hier aber ist LaBeouf ganz bei sich und liefert die Darstellung eines wunderbar zerknüllt vor sich hinknurrenden Drifters, der ebenso wie unser Held auf der Flucht ist – jedoch vor weitaus dunkleren Instanzen als der Gesundheitsbehörde. Auch Tyler berichtet Zak von seinem großen Traum ein Wrestling-Star zu werden. Die beiden werden schnell Buddys und Tyler will Zak bei seinem unwahrscheinlichen Vorhaben unterstützen.

Einige Story-Holprigkeiten des Drehbuchs will man den Machern von »Peanut Butter Falcon« gerne verzeihen, denn ihr Film beinhaltet die genau richtige Mischung aus Ernsthaftigkeit und gelungenem Humor, um ihr ambitioniertes Projekt auf der Leinwand zum Abheben zu bringen. Was vor allem auch daran liegt, dass Tyler Nilson und Michael Schwartz gemeinsam mit ihren Darstellern in der Lage sind, das befrachtetes Thema Disability nicht mit Samthandschuhen der Sentimentalität und pädagogischem Eifer anzupacken, sondern mit einer zärtlichen Rauheit, die gerade deutschen Kulturproduktionen zum selben Thema in der Regel abgeht. Sogar Träume dürfen hier wahr werden. Eben diese unverkrampfte Leichtigkeit macht »The Peanut Butter Falcon« zu einem späten Highlight des Kinojahres 2019. ΙΙ

THE PEANUT BUTTER FALCON
USA 2019 | Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz |Mit: Zack Gottsagen, Shia LaBeouf, Dakota Johnson | 98 Minuten | Kinostart: 19. Dezember