Lulu Wang bringt mit »The Farewell« einen gleichzeitig heiteren und nachdenklichen Film über eine schwierige ethische Frage in die Kinos.

Awkwafina (3. v. l.) in Lulu Wangs »The Farewell« © DCM A24

Sollten wir unseren Lieben immer die Wahrheit zumuten? Vor allem wenn es um sie selbst geht? Lulu Wang wagt sich in ihrem zweiten Film »The Farewell« an dieses Problem. Das Ergebnis fällt lange nicht so schwersinnig aus, wie man erst denkt.

Bei der alten Dame Nai Nai (Zhao Shuzhen) wird eine tödliche Krankheit diagnostiziert. Sie selbst weiß davon allerdings nichts, da ihre Familie beschließt, es vor ihr geheim zu halten. So verständlich das Vorhaben ist, der Großmutter ungetrübte, letzte Momente zu bereiten, ihre Enkelin Billi (Awkwafina) kann sich damit nicht anfreunden. Ihre Eltern zogen mit ihr in die USA, als sie sechs Jahre alt war, und so sind ihr die chinesischen Sitten fremd geworden. Bei der Hochzeit ihres Cousins sollen alle noch mal in der alten Heimat zusammenkommen.

In »The Farewell« verarbeitet Wang eine Erfahrung aus ihrer eigenen Familie. Dabei weitet sie den inneren Konflikt ihrer Hauptfigur aus auf die kulturellen Unterschiede zwischen China und den USA. Doch hütet sich die Regisseurin davor, eine Seite die richtige zu nennen. Neben dieser nachdenklichen Ebene ist »The Farewell« aber in vielen Momenten ein leichter, sogar heiterer Film. Vor allem wenn Nai Nai in trockener Oma-Manier die Hochzeitsvorbereitungen in die Hand nimmt, während ihre Anverwandten bedröppelt daneben stehen. Wang schafft es, das alles zu vermischen, ohne in die Falle von Rührseligkeit oder Klamauk zu tappen. Lediglich der Kultur-Clash hätte hier und da mehr im Zentrum stehen können. Aber bei dem gelungenen Gesamtergebnis lässt es sich verschmerzen. ||

THE FAREWELL
USA, China 2019 | Regie: Lulu Wang
Mit: Awkwafina, Zhao Shuzhen, X Mayo
98 Minuten | Kinostart: 19. Dezember
Trailer