Noch zehn Tage bis zum Fest und keine Ahnung, was man den Literatur-begeisterten Lieben unter den Baum legen soll? Da gibt es von uns nochmal eine Hilfestellung. Weitere Tipps gibt es in der aktuellen Ausgabe: Hier, hier und hier

Brigitte Fassbaender – »Komm’ aus dem Staunen nicht heraus«. Memoiren

von Franz Adam
»Dass meine Arbeit mir erlaubte, mich fast täglich mit Ihnen auseinanderzusetzen, ist eigentlich die größte Genugtuung und Freude, die mir dieser Beruf bereitet hat.« Die große Sängerin Brigitte Fassbaender blickt auf acht Jahrzehnte ihres Lebens zurück, und im Zentrum ihrer Erinnerungen versteckt sie einen anrührenden Brief an die »große Liebe meines Lebens«. Diese Liebe – gottlob nicht nur sie – ist gut dokumentiert, weshalb es sich empfiehlt, neben dem Buch die CD-Kassetten mit den Aufnahmen des wunderbaren Mezzosoprans (Warner, Deutsche Grammophon) denen, die von Musik erreichbar sind, mit unter den Baum zu legen. Brigitte Fassbaenders Karriere war seit den 60er Jahren mit der Münchner Oper eng verknüpft, also wird hier ein Stück Zeitgeschichte lebendig, mit Weggefährten, Kolleginnen, Freunden (und den wohl unvermeidlichen, zudringlichen Gestalten). Ihre zweite Karriere als Regisseurin nach dem frühen, selbst gewählten Ende der Sängerlaufbahn beobachtet sie nach wie vor staunend; das Titelzitat aus dem »Rosenkavalier« entspreche genau ihrem Lebensgefühl. Schreiben kann sie also auch. Der Adressat des Liebesbriefs heißt übrigens Franz Schubert. ||

BRIGITTE FASSBAENDER: »KOMM’ AUS DEM STAUNEN NICHT HERAUS«. MEMOIREN
C. H. Beck, 2019 | 380 Seiten | zahlreiche Abb.
26,95 Euro

Lukas Bärfuss – Malinois

von Thilo Wydra
»Malinois« ist das erste Buch des diesjährigen Georg-Büchner-Preisträgers Lukas Bärfuss, das Erzählungen enthält. Sie sind, so schreibt Bärfuss in einer extra angefügten »Nachbemerkung«, im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre entstanden – einige werden hier erstmals veröffentlicht, andere sind in Anthologien oder in Zeitschriften einmalig erschienen und also längst nicht mehr greifbar. Bärfuss habe die Texte kaum überarbeitet, lediglich Fehler korrigiert. Sie sind als Kinder ihrer Zeit zu betrachten – »jede Erzählung enthält eine zweite Geschichte, jene ihrer Entstehung nämlich«. Ob die kurzen Prosatexte in dem Band allerdings auch chronologisch stehen, bleibt leider offen. Von »Was ist die Liebe?« über den famosen »Bürgerort« und »Der Keller« bis hin zu »Der Schlüssel« und schließlich als vorletzte die titelgebende Erzählung »Malinois«, welcher ein Hund ist, zeigt sich bereits die bezwingende, geradezu hypnotische Sprache von Bärfuss, wie wir sie aus den bislang drei Romanen kennen. Zugleich sind die 13 Erzählungen durchaus von großer Disparatheit und verlangen, wie das Werk von Lukas Bärfuss überhaupt, von der Leserschaft vor allem eines: sich wirklich einlassen zu können. ||

LUKAS BÄRFUSS: MALINOIS
Wallstein Verlag, 2019 | 128 Seiten | 18 Euro