Das Hamburger Kaiser Quartett hat Spaß am Seitenwechsel. Und spielt Pop mit Klassik im Stammbaum.

Grenzgänger aus Hamburg: das Kaiser Quartett | © Pias

Schon lange, bevor das Kaiser Quartett vor allem als Begleitung des kanadischen Pianisten Chilli Gonzales auffiel, wurden die vier Hamburger zur Unterstützung anderer Musiker gebucht. So sind sie zum Beispiel noch unter dem Namen Strings Deluxe auf Produktionen von Roger Cicero, Rüdiger Hoffmann oder Ulrich Tukur zu hören. Später begleiteten sie als Kaiser Quartett auch Konzerte von Anna Ternheim, BOY oder Jarvis Cocker. Sie gastierten auf dem Montreux Jazz Festival ebenso wie bei den Wiener Festwochen, spielten auf Festivals in Edinburgh oder in Schleswig-Holstein. Und stets standen sie für dieses neue Musikverständnis, das klassische Musik auch in popaffi nen Clubs gedeihen lässt, derweil den Orten der sogenannten Hochkultur von denselben Musikern auch mal Popstrukturen zugemutet werden.

Dass die vier Streichmusiker darüber hinaus auch über ein Partybewusstsein verfügen, das sie mitunter in eine der schrägsten Kneipen des Hamburger Kiez brachte, ins stets wohlgelaunte Crazy Horst nämlich, führte womöglich zum heuer erschienenen ersten Album des Streichquartetts mit eigenen Kompositionen. »So ein Streichquartett-Album schreib ich dir in zwei Monaten«, hatte in jener auch mal schlagergetränkten Oase nahe der Reeperbahn nämlich der Bratschist Ingmar Süberkrüb vollmundig gegenüber seinem Cellisten Martin Bentz behauptet. Monate später wurde ihm dann aber bewusst, warum das Streichquartett so oft als Königsdisziplin für Komponisten dargestellt wird. Also wurden aus den versprochenen zwei Monaten letztlich drei Jahre, die aber immerhin zu einem mehr als zufriedenstellenden Ergebnis führen konnten.

»Four Kings One Kaiser« heißt das beim Indielabel Pias erschienene »Debütalbum« des Kaiser Quartett. Tatsächlich ist es eher ein Popalbum, das die darauf verarbeiteten Kompositionen als instrumentale Songs serviert. Strophen, Refrains und Brücken nutzen dabei poptypische Strukturen. Dass die Songs dabei auf eigentliche Sänger verzichten dürfen, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Violine an sich ohnehin der menschlichen Gesangsstimme nachempfunden ist. Wenn die Geiger Jansen Folkers und Adam Zolynski zusammen mit dem Cellisten Martin Bentz und dem Bratschisten Ingmar Süberkrüb musizieren, gleicht das Ganze auch mal einem vierstimmigen Gesang. Aber nicht nur, wenn das bereits 2017 in Hamburg als »Musiker des Jahres« gekürte Ensemble dann auch noch Giorgio Moroders Discohit »Chase« neu arrangiert, klingt das Streichquartett zudem wie der natürliche Vorläufer einer elektronischen Musik, die hier aber spannend weiterentwickelt wird. Feiner Stoff. ||

KAISER QUARTETT
Milla | Holzstr. 28 | 10. Dez. | 20 Uhr
Tickets: 089 54818181