Vor 50 Jahren feierte sich die Hippie-Kultur in Woodstock. Darauf wird auch in München angestoßen.

© Muffatwerk

Ob »Woodstock« doch noch stattfindet, nachdem zuerst ein Finanzgeber abspringen wollte und dann die Autorennbahn »Watkins Glen International« als Veranstaltungsort gecancelt worden ist? Um keine Verwirrung zu stiften: Die Rede ist vom Jubiläumsfestival »Woodstock 50«, das für die Zeit vom 16. bis 18. August angesetzt ist und das wie auch schon das Original der Musikproduzent und Manager Michael Lang mit organisiert. Der hatte zusammen mit seinem Kollegen Artie Kornfeld 1969 die Idee, mit einem Konzert das eigene, im Städtchen Woodstock ansässige Tonstudio zu bewerben. In Joel Rosenman und John P. Roberts fanden sie dafür per Anzeige zwei junge, aus der New Yorker Oberschicht stammende Investoren. Diese beiden sollen es auch gewesen sein, die vorschlugen, aus einem bloßen Konzert ein Musik- und Kunstfestival zu machen. Der Rest ist Popmusikgeschichte.

Dass es jedenfalls Probleme gibt, für »Woodstock 50« einen Veranstaltungsort zu finden, das klingt seltsam vertraut. Denn auch die Mutter aller Open-Air-Festivals, als welche die »Woodstock Music & Art Fair« mit ihren Auftritten von Santana, Janis Joplin, Joe Cocker und Jimi Hendrix, heute gilt, wollte zunächst keiner haben. Nicht auf der Winston Farm in der Kleinstadt Saugerties, etwa 15 Kilometer östlich von Woodstock, wo das Festival angedacht war. Und auch nicht im Städtchen Wallkill, wo eine Bürgerinitiative opponierte. Mit Hilfe des Malers Elliot Tiber fanden die Veranstalter schließlich mit einer Weide in der Nähe von Bethel den passenden Ort. Auf dem »heiligen Gelände« (2017 wurde es zum Kulturdenkmal erklärt) befindet sich heute das Bethel Center for the Arts. Auch dort ist ein Jubiläumsfestival geplant, mit Ringo Starr, Edgar Winter, Santana und den Doobie Brothers. Was im Vergleich zu »Woodstock 50« mit 75 angesetzten Konzerten und Stars wie Miley Cyrus, Robert Plant oder Jay-Z fast bescheiden klingt.

Ähnliches gilt für »50 Jahre Woodstock – 1 Day of Peace & Music« am 16. August in der Muffathalle, wo Münchner Musiker wie Dr. Will, Claudia Cane, San2, Marc Dorendorf, Schorsch Hampel oder Olaf Giebe als Woodstock-Tribute-Band bei freiem Eintritt »den Geist Woodstocks« zelebrieren. Wenn sie dort die alten Lieder spielen, sind sie damit womöglich tatsächlich näher an diesem dran als Lang mit seinem Megaevent. Dass das ursprüngliche Festival weitgehend ein finanzielles und organisatorisches Desaster war, wird übrigens gerne vergessen. Erst Michael Wadleighs oscargekrönter Dokumentarfilm »Woodstock« von 1971 und der zugehörige Soundtrack brachten wirklich Geld ein. Und zwar vor allem Warner Bros., die als Produzenten eingesprungen waren. Auch der Mythos wurde im Grunde erst durch den Film geschaffen. Das Gleiche gilt für die weltweite Wahrnehmung der Peace-and-Love-Kultur, die sich 1971 eigentlich schon überlebt hatte. Jetzt wird sie überall gefeiert, wie aktuell auch im Rockmusical »Woodstock The Story«, das am 18. August in Nürnberg gastiert. Und wer schon mal dort ist: In der Nürnberger Egidienkirche sind vom 16. August an Bilder des Woodstock-Fotografen Elliott Landy zu sehen. ||

50 JAHRE WOODSTOCK – 1 DAY OF PEACE & MUSIC
Muffathalle| Zellstr. 4 |16. Aug. | 19 Uhr
Eintritt frei