Anton Biebl nimmt die Kulturpolitik mit freundlichem Pragmatismus unter seine Fittiche. Christiane Pfau hat nachgefragt, was er vorhat.

Anton Biebl | © Ralf Dombrowski

Anton Biebl ist seit ein paar Wochen pausenlos unterwegs. Spricht mit Leuten, die alle irgendwelche Anliegen haben, schüttelt Hände – und lacht. Herr Biebl ist ein heiterer Mensch, das bestätigt jeder, der ihm begegnet. Er nimmt sein Gegenüber mit jungenhaftem Charme und entwaffnender Offenheit ein. Man sollte ihn jedoch nicht unterschätzen. Er kennt die Winkelzüge in der Verwaltung wie kaum ein anderer. Davon könnte die Kultur profitieren.

Fangen wir mit der Kunst an. Das letzte Buch, das Ihnen gefallen hat, ein Highlight?
Ein Buch, das ich immer wieder lese, ist von Hermann Hesse, »Das Glasperlenspiel«. Und was ich aktuell lese, ist »Achterbahn« von Ian Kershaw.

Ihr letztes Musikerlebnis?
Ein Konzert von Marco Mengoni.

Den kenn’ ich nicht. Wer ist das?
(Lacht.) Ja … der war im Werksviertel. Ist ein italienischer Sänger. Hat X Factor in Italien gewonnen und räumt in den italienischen Charts einen ersten Platz nach dem anderen ab.

Ihre letzte Ausstellung?
Eine Ausstellung, die mich wirklich beeindruckt hat, war »Never Give Up The Spot« von Thomas Hirschhorn in der Villa Stuck. Da war ich, glaub’ ich, sieben Mal.

Tanz?
(Lacht.) Ja, der Tanz! Der ist bei mir noch ausbaufähig. Ich war bei der Preisverleihung bei Iwanson. Und natürlich bei Dance, das ganze Festival über. Ich bin Fan vom Minutemade-Format. Das hat mir sehr gefallen.

Das letzte begeisternde Theatererlebnis?
Das waren die Griechen in den Kammerspielen: »Dionysos Stadt«.

Welche Kompetenzen braucht ein Kultur­referent?
Super Frage. (Lacht. Überlegt.) Nach innen: klassische Führungs- und Managementqualitäten. Aber das klingt jetzt wahrscheinlich langweilig. Das für mich Wichtige ist: Offenheit, Kommunikationsfähigkeit, Neugier, Überzeugungskraft und Ausdauer.

Was ist an dieser Aufzählung anders als bei einer anderen leitenden Position?
Es gibt natürlich einen Grundkanon von Fertigkeiten, die bei solchen Tätigkeiten hilfreich sind. Ich verstehe mich als Kulturmanager. Insofern liegt das inhaltliche Gewicht bei Kunst und Kultur.

Wie unterscheidet sich Ihr neuer Job davon, was Sie vorher gemacht haben?
Als Stadtdirektor habe ich an Entscheidungen mitgewirkt, aber die Letztverantwortung lag beim Kulturreferenten. Und jetzt liegt sie bei mir. Das ist ein entscheidender Unterschied. Und dass der Kulturreferent interessanter ist für die Öffentlichkeit als ein Stadtdirektor (schmunzelt). Für mich ist das eine neue Situation.

Sie haben vor einiger Zeit gesagt: Ich finde Verwaltung toll.
Echt? (Lacht.) Kann sein, dass ich eher gesagt habe: Ich finde Bürokratie toll. Das ist für Sie
wahrscheinlich noch schlimmer, oder? Bürokratie … Was für mich dahintersteckt, ist, dass Vorgänge geordnet ablaufen und dass man sich auf gewisse Abläufe verlassen kann, dass Vereinbarungen, die man getroffen hat, auch umgesetzt werden. Für mich ist Bürokratie daher etwas, das mit Transparenz und Gerechtigkeit einhergeht und auch mit Gleichbehandlung.

Was finden Sie an der Kultur toll?
Ganz gleich, welche Veranstaltung, welches Konzert, welche Aktion, Tanz oder Performance – die Vielfalt der Ausdrucksformen begeistert mich immer wieder aufs Neue. Ich bin fast jeden Abend unterwegs, und jede Veranstaltung hat ihren Reiz. Kultur trägt für mich ganz wesentlich bei zum sozialen Frieden in der Stadt. Es gibt diesen hochtrabenden Satz: Kultur ist das, was von einer Gesellschaft übrig bleibt. Kultur ist etwas sehr Prägendes.

Wer dient wem: die Verwaltung der Kunst? Oder ist die Kunst eher dazu da, dass die Verwaltung eine Legitimation für ihre Exis­tenz hat?
Ganz eindeutig ist die Verwaltung für die Kunst- und Kulturförderung da. Die Verwaltung ist für die Bürgerinnen und Bürger da und in dem Sinne auch für Kunst- und Kulturschaffende.

»Meine gute Laune verliere ich, wenn Dinge zu lange dauern«, haben Sie vor Kurzem gesagt. Am 4. Juli wurde in der Burgstraße gejubelt, weil die Vorplanung für die Bau­maßnahmen an der Jutier­und Tonnenhalle beschlossen wurden. Das Betreiberkonzept samt Personalschlüssel und Finanzierungsbe­willigung durch den Stadtrat liegt seit drei Jahren in der Schublade. Die Laune der Künstler leidet deshalb schon lange.
Ich würde den Schwerpunkt nicht nur auf die Jutier- und Tonnenhalle legen, sondern ich würde schauen, was ist auf dem Kreativfeld, im Kreativlabor, auf der Kreativplattform in den letzten 12 Jahren, unter Kulturreferent Hans-Georg Küppers, alles entstanden? Auf dieses Prozesshafte würde ich mich schon weiterhin gerne einlassen. Es stimmt, das Betriebskonzept ist seit drei Jahren in der Schublade. Es ist aber auch so, dass wir vom Stadtrat eine Zielvorgabe bekommen haben, was Jutier- und Tonnenhalle kosten dürfen. Weil die Planungen über diesem Budget lagen, mussten wir Ansätze zur Kostensenkung entwickeln, um damit das Budget einzuhalten, ohne den Projekterfolg zu gefährden. Ich wäre ungeduldig geworden, wenn während dieser Zeit nichts passiert wäre. Aber für die Transformation des Kreativlabors ist es wichtig, dass wir dem Prozess Zeit geben.

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