In seiner bitterbösen Scheidungskomödie »Und wer nimmt den Hund?« treibt Rainer Kaufmann die trennungswilligen Ulrich Tukur und Martina Gedeck zu Höchstleistungen.

Martina Gedeck und Ulrich Tukur in »Und wer nimmt den Hund?« | © Boris Laewen /Majestic

25 Jahre nach der »kleinen« ZDF-Produktion »Stadtgespräch«, die dank des großen Erfolgs auf dem Filmfest München in der Folge zum Kino-Blockbuster avancierte, macht Rainer Kaufmann immer noch Filme. Und nach dem Beziehungsspaß von damals folgt nun mit »Und wer nimmt den Hund?« eine bitterböse Scheidungskomödie mit pointierten Dialogen, kluger Kameraarbeit und zwei versierten Hauptdarstellern. Diese sprechen wie bei einer Dokumentation zunächst frontal in die Kamera und erklären dem Betrachter detailliert, warum ihre Beziehung gerade vor dem Aus steht. In der Folge erfahren wir mehr über das Leben von Georg (Ulrich Tukur) und Doris (Martina Gedeck). Die beiden haben zusammen zwei Kinder großgezogen, sich aber im Verlauf von mehr als 25 Ehejahren letztlich auseinandergelebt. Jetzt hat Georg mit seiner sehr viel jüngeren Doktorandin Laura (Lucie Heinze) eine Affäre begonnen und damit das Ende der Partnerschaft mit Doris wohl endgültig besiegelt. Um das Ganze »vernünftig« beenden zu können, lassen sie sich auf eine sogenannte Trennungstherapie ein, nicht ahnend, dass sie dadurch eine wahre Lawine geballter Emotionen lostreten.

»Und wer nimmt den Hund?« ist ein Paradebeispiel deutscher Schauspielkunst. Ulrich Tukur (Deutscher Filmpreis für »John Rabe«) und Martina Gedeck (Deutscher Filmpreis für »Das Leben ist eine Baustelle«) stacheln sich gegenseitig zu Höchstleistungen an, wenn es darum geht, die Psyche des anderen offenzulegen. Dabei nutzen sie die ganze Bandbreite ihres Talents, das vom nuancierten Mienenspiel über geschliffen scharfe Oneliner bis hin zum Einsatz der gesamten Physis reicht. Einen Großteil seines Humors bezieht »Und wer nimmt den Hund?« aus seinen Dialogsequenzen, wenn sie etwa zu ihm sagt: »Ich will eine Firma gründen.« Darauf er: »Ein Bauunternehmen für Luftschlösser?«

Aber Kaufmann verlässt sich nicht nur auf die im Skript verankerten virtuosen Texte, er sorgt auch auf körperlicher Ebene für Action, die wiederum etwas sehr Komödiantisches besitzt. Das äußert sich, wenn Gedeck ihren Wagen vor lauter Trennungsfrust gefühlte 20, 30 Mal gegen das geschlossene Garagentor rammt oder der eifersüchtige Tukur alle vier Reifen am Luxuskarren ihres neuen Lovers zersticht. Da fühlt man sich zuweilen an den bis heute unerreichten Hollywood-Klassiker »Der Rosenkrieg« (1989) mit Michael Douglas und Kathleen Turner erinnert. Und wenn die beiden Streitenden dann in der Therapie mit weißen bzw. schwarzen Bällen bewerten sollen, was alles in ihrer Ehe gut bzw. nicht gut gelaufen ist, dann möchte man als Betrachter am liebsten dieses System gleich für den Film anwenden und möglichst viele weiße Kugeln in das Glas legen. ||

UND WER NIMMT DEN HUND?
Deutschland 2019 | Regie: Rainer Kaufmann
Mit: Ulrich Tukur, Martina Gedeck, Lucie Heinze u. v. a. | 93 Minuten | Kinostart: 8. August
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