Das Amerikahaus zeigt in der Ausstellung »80 Jahre Batman« mit knapp 100 Originalzeichnungen die Geschichte des amerikanischen Comic-Helden mit dem düsteren Gemüt.

Batman, gezeichnet von Mark Simpson, alias Jock, für »All-Star Batman«
© Jock & © TM DC Comics. All Rights Reserved

Wenn sich einer den Kampf gegen das Verbrechen auf die Fahnen geschrieben hat, wird er normalerweise Polizist. Und zieht kein Fledermauskostüm an. Aber der junge Milliardär Bruce Wayne, alias Batman, tickt anders. Und deshalb mussten wir in den letzten 80 Jahren auf die vergleichsweise düstere geheimnisvolle Comicfigur – so alt ist Batman nun seit März wirklich schon – und alle seine abenteuerlichen Gangster-Geschichten nicht verzichten. Gut so.

Historie und Charakter der Figur, die Bob Kane – New Yorker Comiczeichner osteuropäisch-jüdischer Abstammung – erfunden hat, lässt sich nun im Amerikahaus in epischer Breite nachvollziehen. Der Kurator und leidenschaftliche Comic-Sammler Michael Kompa hat, wie seine Söhne behaupten, dazu sein Wohnzimmer geleert und in die Räume am Karolinenplatz ausgelagert. Ein bisschen besser sortiert vielleicht, und mit diversen Leihgaben aufgepeppt. Jedenfalls besitzt die ansprechende Schau trotz der dichten Hängung der knapp 100 Originalzeichnungen eine angenehme, nachvollziehbare Didaktik. Und eine Art Bat-Höhle in der tiefer liegenden und überhohen Garage. Dort können Miniaturmodelle der Bat-Mobile und andere technische, etwa den Batgürtel schmückende Spezialerfindungen bewundert werden. Dazu lassen sich Batman-Verfilmungen anschauen und das Videospiel »Arkham Asylum« spielen.

Im Flur dann eine Zeitschiene. Dort werden chronologisch nicht nur die wichtigsten Zeichner der recht humorlosen Heldengestalt mit ihren Arbeiten vorgestellt: etwa Neal Adams, Jim Aparo, Frank Miller, Greg Capullo, Jock, Alex Ross und Eduardo Risso. Sichtbar werden auch die optischen Veränderungen, die die bereits ab 1943 als TV-Serie und 1966 für das Kino verfilmte Comicfgur über sich ergehen lassen musste. So wurde aus dem schlichten Helden in Strumpfhose, der keine übernatürlichen Kräfte besitzt, schließlich einer in einer ansehnlichen martialischen High-Tech-Rüstung. Die Fledermaus auf der Brust war anfangs schwarz, dann gelb und gepanzert, nun wieder dunkel. Auch die Bat-Ohren wandelten sich von mäuse-mickrig hin zu diabolisch-riesig. Nicht zu übersehen die Statur: aus schlanksportlich wurde ab Mitte der 80er Jahre eine Art Muskelprotz mit breitem Kreuz und markantem Kinn.

Das ursprünglich steife Cape veränderte sich übrigens schon pränatal. Der Autor Bill Finger verpasste dem Fledermausmann, der von der Romanfigur Zorro, der Comicfigur The Shadow und dem messerscharfen Verstand des Sherlock Holmes geprägt ist, vor dem ersten Erscheinen nicht nur das wallende Gewand, sondern auch die raffi nierte zweite, schwerreiche Identität: Die Milliardärs-Eltern des jungen Wayne werden vor seinen Augen bei Nacht in einer dunklen Gasse erschossen. Aufgezogen wird der Waisenknabe dann vom Butler Alfred Pennyworth, und er schwört am Grabe seiner Eltern, seine Heimatstadt Gotham City – in nächtlichen Aktionen – vom Verbrechen zu reinigen. Neben Pennyworth stehen ihm auch die Freunde Robin, Nightwing, Batgirl, Damian, Jason Todd und Tim Drake im Kampf gegen die Feinde bei. Sowohl Freunden als auch Bösewichtern ist jeweils ein eigenes Kapitel der Schau gewidmet.

Interessant auch die charakterlichen Veränderungen des einst so gut gelaunten Playboys, der sich zum Spaß nächtens auf Verbrecherjagd begibt. Batman wird mehr und mehr zum dunklen Ritter, muss sich mit Armut, Elend und radikalen Feministinnen rumschlagen. Und wird schließlich zum resignierten, frustrierten Mittfünfziger in einer veritablen Midlife Crisis. Auch die bis heute erfolgreichste Graphic Novel aller Zeiten »Arkham Asylum – Ein düsteres Haus in einer finsteren Welt« präsentiert 1989 einen Zweifler, der mit seinen Ängsten kämpft und damit natürlich auch an die Traumata seiner Kindheit anknüpft. Wer übersteht es denn schon unbeschadet, wenn einem vor den eigenen Augen Vater und Mutter einfach mal so weggeknallt werden? Es wundert nicht, dass dem armen Kerl dann auch noch das Rückgrat gebrochen wird und er eine Weile im Rollstuhl sitzt. Selbst wenn’s nur im Comic ist. ||

80 JAHRE BATMAN
Amerikahaus-Interimsräume| Barer Straße 19a | bis 30. September| Mo–Fr 10–17 Uhr (Mi bis 20 Uhr), So 10–16 Uhr
Eintritt frei | Führung mit Kurator Michael Kompa: 13./14. Juli, 15 Uhr