Die Sängerin Cat Power pflegt die verführerische Kunst der Melancholie. Im Juli auch in München.

Feine Lieder, bittersüß: Cat Power | © Elliot Lee Hazel

Will man die Cat Powers Musik beschreiben, landet man schnell bei abgestandenen Phrasen. Nicht, weil die Musik altbacken wäre, aber sie passen einfach zu gut. »Weniger ist mehr« wäre so eine. Cat Power (bürgerlich Charlyn Marie) haucht ihre Texte oft nur über Gitarren- oder Klavierbegleitung. Und auch in Bandgesellschaft dominiert die Ruhe. Natürlich ist sie nicht die einzige Künstlerin, die gekonnt auf das Wesentliche reduziert. Aber ihre fragilen und intimen Klänge erzeugen eine ganz einzigartige Atmosphäre. Obwohl ihr als Kind verboten wurde, Platten zu kaufen, packte die Musik sie schon früh. Verantwortlich war ironischerweise die Plattensammlung ihrer Eltern, die Künstler von Otis Redding bis Black Flag abdeckte.

Anfang der Neunziger begann Cat Power selbst mit Freunden aktiv zu werden. Oft mit Alkohol und Drogen als Begleiter ihrer Auftritte. Später zog sie nach New York, wo sie Kontakt zu Musikern von Sonic Youth und God is My Co-Pilot knüpfte. Ihr Durchbruch folgte 1998 mit ihrem vierten Album »Moon Pix«. Ihre Musik wechselte über die Jahre von den experimentelleren Klängen der Anfangszeit zu einer melancholischen Genremischung, die von Kritikern gern als »Sadcore« bezeichnet wird. Aber Cat Power hält sich alle musikalischen Türen offen. Ihre letzte Platte »Wanderer« zum Beispiel ist ein wunderbares Folkalbum, das mit »Woman« eine Kollaboration mit Gesangskollegin Lana Del Ray enthält.

Zurück zu den Phrasen. Das Kriterium »Authentizität« ist in der Zwischenzeit leergeschrieben. Aber was Cat Power macht, ist authentisch im wahrsten Sinne des Wortes. In ihren Texten gewährt sie den Zuhörern einen Blick auf ihr zerbrechliches Inneres. So hatte sie immer wieder mit Alkoholmissbrauch und psychischen Problemen zu kämpfen. 2006 musste eine Tournee sogar wegen eines Nervenzusammenbruchs abgesagt werden. Im selben Jahr fasste sie jedoch den Entschluss, mit dem Trinken aufzuhören, und ist seitdem mit neuer Energie wieder auf der Bühne zu sehen. Der Abend im Backstage kann also auch für das Publikum ein stärkendes Erlebnis werden. Ab und an muss man in der Traurigkeit schwelgen, um sie zu besiegen. ||

CAT POWER
Backstage Werk| 15. Juli| 20 Uhr | Tickets: 089 54818181