Seit 11. Mai gibt es im Münchner Mathäser einen Kinosaal, der mit dem innovativen Dolby Cinema-System ausgestattet ist. Trotz saftiger Ticketpreise wird das Kino gut angenommen, und das nicht nur von nach Perfektion gierenden Technik-Freaks.

Das neue Dolby Cinema im Mathäser Filmpalast| © Mathäser (3)

Wenn man in München als Kino wettbewerbsfähig bleiben will, dann scheint es, bis auf wenige Ausnahmen, nur zwei Möglichkeiten zu geben. Entweder man zielt auf sein Stadtteilstammpublikum ab, das auf niveauvoll-anspruchsvolles Filmprogramm, aber auch auf andere kulturelle Veranstaltungen gepolt ist – wie es beispielsweise das Neue Maxim in Neuhausen nach seiner Renovierung/Modernisierung recht erfolgreich tut. Oder man setzt auf hohe Qualität, großen Luxus und den perfekten Filmgenuss, wie es das Gloria am Stachus schon länger und das Arri in der Türkenstraße seit seinem Komplettumbau erst seit Kurzem praktizieren.

In letztere Kategorie darf nun auch das Mathäser in der Bayerstraße aufgenommen werden. Am 11. Mai wurde dort Deutschlands erstes Dolby Cinema eröffnet. Dieses Kinokonzept ruht auf drei Säulen, wie Dr. Gregory Theile, Geschäftsführer der in Darmstadt ansässigen Kinopolis Management Multiplex GmbH und somit auch für das Mathäser zuständig, erklärt: »Die eine ist das Design. Das betrifft insbesondere den Saal, in dem alles darauf ausgerichtet ist, dass das Filmerlebnis so wenig wie möglich beeinträchtigt wird. Das heißt, dass alles möglichst mattschwarz sein muss, damit sämtliche reflektierenden Flächen insbesondere an den Decken vermieden werden.« Das ist zweifellos eine gute Neuerung, denn jetzt steht tatsächlich der Film im Vordergrund, und nicht die wilden Farbenspiele eines Designers, der sich künstlerisch verwirklichen will.

Weniger überzeugend ist dagegen der so genannte »Audiovisual Pathway«, eine Art Tunnel, der die »reale Welt« mit dem Kinosaal verbindet. Hier werden Ausschnitte aus dem Film, den man sich ansehen wird, gezeigt. Doch da man sich so nah an der Projektion befindet, kann man die Bilder nur schemenhaft erkennen und ein langsames Eintauchen in eine »andere Welt« findet nicht wirklich statt. Spannender ist da schon die zweite Säule, der Ton, bei dem die Firma Dolby, die ja aus dem Soundbereich kommt, ihre Kompetenz voll ausspielen kann. So fi ndet denn auch Theile, dass »mit dem Dolby Cinema das Dolby Atmos-Konzept noch einmal auf ein anderes Niveau gehoben wird. Jetzt kommen im Mathäser beispielsweise im Dolby Cinema 116 Lautsprecher zum Einsatz und der Ton erreicht den Kunden aus 51 verschiedenen Kanälen. Dieses Hörerlebnis ist schwer zu beschreiben, das muss man selbst erlebt haben. Im Grunde genommen geht es darum, dass man wirklich rundum von dem Sound eingenommen wird.«

Am besten lässt sich die Sound-Qualität natürlich an Filmen messen, in denen die Musik eine besondere Rolle spielt, zuletzt etwa bei dem Freddy Mercury-Porträt »Bohemian Rhapsody« oder aktuell bei Guy Ritchies Musical »Aladdin« und dem Elton John-Biopic »Rocketman«. Diese Filme mit bzw. ohne Atmos zu hören ist tatsächlich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und schließlich gibt es noch eine Besonderheit, die das neue Dolby Cinema-Konzept auszeichnet, die Art der Projektion. »Hier geht es«, so Theile, »um die die drei Themen Helligkeit, Kontrast und Farbspektrum. Zwei 4K-Laserprojektoren sorgen dafür, dass etwa das Bild im 2D-Bereich doppelt so hell ist, als dies bei einem regulären Projektor der Fall ist. Und laut Dolby werden Kontrastwerte von einer Million zu 1 im Vergleich zu 2 000 zu 1 erreicht. Das Besondere ist außerdem, dass die Filme in einer speziell gemasterten Version nur für Dolby Cinema hergestellt werden. Das heißt, dass schon bei der Farbmischung berücksichtigt wird, dass diese ein besonderes Farbspektrum besitzen.«

Im Fall »Aladdin« ist dies tatsächlich besonders gut gelungen. Ob das lange, ebenholzschwarze Haar von Jasmine alias Naomi Scott, ihre prächtigen Roben aus saftigem Rot, elegantem Türkis und strahlendem Violett, oder das goldglitzernde, von Juwelen übersäte Interieur des Palastes – hier wird wahrlich ein visuell beeindruckendes Feuerwerk gezündet. Dass das neue Mathäser 1, das obendrein über eine komplett eigene Lobby sowie eine Premiumbestuhlung mit beweglichen Rückenlehnen und Ledersitzen verfügt, beim Publikum bestens ankommt, konnte man bei einem Besuch an einem Sonntagnachmittag bei zwar nicht unbedingt Bade-, aber doch schönem Sommerwetter erleben. Denn die Vorführung des bereits erwähnten »Aladdin« war da bis auf die ersten beiden Reihen ausverkauft, und der Saal fasst immerhin 312 Personen.

Auch Geschäftsführer Theile kann diesen Trend bestätigen: »Es gibt zwar noch einige, die vorsichtig in den Tunnel reinschauen und sich fragen, ob das noch zum Mathäser gehört. Aber wir sehen auch wahnsinnig viele Kunden, die diesen Saal für bestimmte Filme ganz bewusst ansteuern. Manche haben beispielsweise gesagt, dass sie ›Endgame‹ zwar schon gesehen hätten, ihn aber jetzt nochmal im Dolby Cinema genießen wollten. Das Feedback ist tatsächlich sehr positiv.«

Allerdings ist dieses uneingeschränkte Filmvergnügen nicht ganz billig. Mit allen Zuschlägen muss man für das 3-D-Abenteuer »Aladdin« stolze 16,40 Euro pro Nase berappen, und das bei einer Nachmittagsvorstellung! Wenn man sich dann noch Popcorn, Cola oder Ähnliches dazu gönnt, sind schnell mal 50 bis 60 Euro für ein derartiges Kinoerlebnis für Zwei weg. Doch für Liebhaber von Action, Science Fiction und Superheldenfilmen, die obendrein etwas für technische Perfektion übrig haben, gibt es derzeit kaum etwas Besseres als dieses Mathäser Dolby Cinema. ||