Franziska Reng und Moses Wolff verpacken das »Weiße Rössl« in Operettenkitsch.

Wer schmachtet hier wen an? (v.l. Burkhart Kosche, Marina Granchette, Georg Roters, Maria Helgath, Christoph Theussl) © Verena Gremmer

Als Komponist Ralph Benatzky zusammen mit Hans Müller-Einigen und Erik Charell 1930 eine flotte Revueoperette aus dem Stoff von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg schuf, entstaubten sie deren Altberliner Liebesverwirrspiel »Im weißen Rössl« von 1896 mit einer Reihe schräg-komischer Lieder. In den Neunzigern reüssierte das Rössl erneut in einer schrilleren Fassung der Geschwister Pfister in der Bar jeder Vernunft in Berlin. Franziska Reng (auch Regie) und Moses Wolff bauen im Hofspielhaus jede Menge Operettenschnulzen in ihre Bearbeitung »Im weißen Rössl am Starnberger See« ein. Das ist schön für die Freunde kräftig geschmetterter Liebesarien, als Freundin des frechen Zwischenkriegssingspiels kommt man weniger auf seine Kosten.

Dabei liefern Christoph Theußl als Zahlkellner Leopold und Maria Helgath als von ihm geliebte Rössl-Chefin Josepha Voglhuber sich in Jonas Kleins Lüftlmalereikulisse streckenweise einen schön bösen Schlagabtausch in österreichischem und g’schert bayerischem Idiom. Der kleinen Bühne geschuldet, ist das Personal des Lustspiels ansonsten auf drei Figuren beschränkt: Dr. Otto Siedler (Burkhard Kosche), Berliner Anwalt und Stammgast, und Tassos Katsekaridis, ein Amalgam von Fabrikant Giesecke und Professor Hinzelmann, mit Tochter Theodora (= Ottilie + Klärchen). Der schöne Sigismund fiel der Streichung zum Opfer und so steigt der Doktor zum schönen Siedler auf.

Während dem Gespann Reng und Wolff die Umdichtung vor allem des Rössl-Liedes zum »Weißen Rössl am Starnberger See« wirklich charmant gelingt, humpelt der Running Gag, der sich aus der griechischen Herkunft von Vater und Tochter Katsekaridis (Georg Roters und Marina Granchette) speist, ermüdend klischeehaft daher. Zwischen gelungenen Slow Motion-Szenen und einer reizenden Kinderschirmchoreografie, die dem Schnürlregen huldigt, verursacht verstärkt nach der Pause reichlich musikalisches Geschmachte der wenig ironischen Art von Franz Lehar, Richard Tauber und Eduard Künnecke beim Kitschfeind eher Seufzen. ||

IM WEISSEN RÖSSL AM STARNBERGER SEE
Hofspielhaus| Falkenturmstr. 8 | 2. Juni
18 Uhr | 15., 21., Juni| 20 Uhr | Tickets: 089 24209333