Die schwedische Sängerin Anna von Hausswolff hat ihr eigenes Universum. München kann es im Mai erleben.

Ganz in sich und mit sich: Anna von Hauswolff| © Lady Lusen

Was sie macht, ist ganz große Oper. Natürlich ist Anna von Hausswolff in anderen musikalischen Gefilden unterwegs, aber die Theatralik der Gestaltung lässt sich doch vergleichen. Vor allem, wenn man ihr Album »Dead Magic«von 2018 als Vorlage heranzieht. Das klingt mal nach apokalyptischem Italowestern, nach einem brennenden Basar oder einer Wanderung auf der Milchstraße. Oder kurz gesagt so, als würde Eurydike ihre Zeit in der Unterwelt verarbeiten. Anna von Hausswolff wurde 1986 in Göteborg geboren, und die Vorliebe für expressive Musik liegt in der Familie. Deutlich merkt man den Einfluss der Drone- und Ambient- Experimente ihres Vaters, des Klangkünstlers CM von Hausswolff, die sie mit Folk-, Dark-Wave- und Neoklassik-Elementen kombiniert. Dazwischen schiebt sich immer wieder ihr Lieblingsinstrument, die Kirchenorgel. Was am Ende der Experimente herauskommt, lässt sich schwer einordnen, man kann aber den »Guardian« zu Hilfe nehmen, der das Soundgemisch als »Funeral Pop«bezeichnete. Und wieder andere nennen das alles typisch skandinavisch.

Die junge Künstlerin in einen bekannten Rahmen stecken zu wollen, bleibt jedoch ein sinnloses Unterfangen, denn für Anna von Hausswolff steht Offenheit an oberster Stelle. Sie tourte bereits mit den Tindersticks undder Electropop-Künstlerin Lykke Li, arbeitete mit dem bretonischen Pianisten Yann Tiersen, der Black Metal-Band Wolves in the Throne Room und im Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm zusammen. Diese Vielfalt der kreativen Partner hat ihren Grund, denn als Liveact ist Frau von Hausswolff ein Erlebnis für sich. Die Konzerte sind mystische Zeremonien, bei denender Zuschauerjegliches Raum- und Zeitgefühl verliert. Ihr Auftrittin der RotenSonne ist also ein Pflichttermin für alle Neugierigen und ein ganz spezieller noch dazu. An diesem Abend stellt sie ihr neues Projekt Bada vor. Zusammen mit vier Mitstreitern baut sie dunkle, dröhnende und wunderschöne Klanggebilde auf. Der Song »Fläsians« auf der Soundcloud-Seite »Birds Ov Paradise« ist schon mal eine herrliche Kostprobe. Die Unterwelt war selten so bezaubernd. ||

ANNA VON HAUSSWOLFF
Rote Sonne | Maximiliansplatz 5 | 13. Mai
20 Uhr | Tickets: 089 55263330