Jon S. Baird inszeniert zwei gealterte Komiker. Und schenkt ihnen ein Leben jenseits der Sketche.

John C. Reilly und Steve Coogan als Ollie und Stan| © SquareOne

Und dann sitzen sie im Bett. Oliver Hardy (John C. Reilly) hatte kurz zuvor einen leichten Herzinfarkt, ein Werbeauftritt am Rande einer Theatertournee durch England brachte ihn an die Leistungsgrenze, der Streit mit Stan Laurel (Steve Coogan) am Vorabend seines Zusammenbruchs tat ein Übriges, um seine Schwäche zu begünstigen. Von einem Moment auf den anderen ist hinfällig geworden, was zwischen den beiden gärte, das Leben holt die Routine ein. Und dann sitzen sie im Bett, Ollie im Pyjama, ein kränkelnder Koloss, Stan im Anzug, irgendwie durchsichtig geworden, der seinem Gegenüber die kalte Hand wärmt. Ein Paar, das erkennt, wie eng das eigene Glück von dem des anderen abhängt. Eine Schlüsselszene, um die sich ein ganzes Kammerspiel baut.

Denn das Drehbuch von Jeff Pope greift – bis auf die Anfangssequenzen, die die Komiker in ihrer besten Zeit bei der Filmarbeit zeigen und den Bruch mit dem Produzenten Hal Roach andeuten – nur eine kleine Episode aus dem Leben der Schauspieler heraus, ein paar Wochen einer Tournee 1953, die sie als nur noch mäßig bekannte Stars einer vergangenen Ära durch englische Theater führt. Es drapiert um Stan und Ollie ein überschaubares Inventar weiterer Figuren, vor allem die beiden Ehefrauen (Nina Arianda, Shirley Henderson), die mit unbedingter Loyalität hinter ihren Männer stehen und durch eine Mischung aus Hingabe, Intelligenz und Lakonie letztlich die Freiheit der Partner tragen und ermöglichen. Und dann ist da noch der halbseidene Impresario Bernard Delfont (Rufus Jones), der sich um den Ablauf der Tournee kümmert, letztlich aber dramaturgisch als Spiegel der Vergänglichkeit des Ruhms fungiert. Der Rest ist Staffage, Publikum einer melancholischen Komödie, die Jon S. Baird behutsam und mit viel Sympathie für seine Figuren umsetzt.

Überhaupt fällt auf, wie zärtlich einerseits und präzise auf der anderen Seite das ganze Team mit den Momenten des Biopics umgeht. So manches wird hinzugedichtet, Sketche in Details in das »echte« Leben von Stan Laurel und Oliver Hardy übertragen, und die famose Maske von Mark Coulier sorgt dafür, dass über Strecken des Films hinweg die Grenzen zwischen den realen Figuren, ihren Rollen und ihren Darstellern verschwimmen. Nebenstränge erzählen von der Zerbrechlichkeit der Komik, den kleinen Lastern und Fluchten der Protagonisten, der Einsamkeit des Künstlerdaseins. Letztlich aber spürt man in »Stan & Ollie«, dass der Film eine tiefe Verbeugung vor zwei Koryphäen des Kinos ist, die an einem wichtigen Moment ihres Lebens eine Liaison eingegangen sind, die sie für immer aneinander gebunden hat. Und dass sie sich mit dieser Unbedingtheit ein freundliches Manifest der Verehrung verdient haben. ||

STAN & OLLIE
Großbritannien 2018 | Regie: Jon S. Baird | Mit: Steve Coogan, John C. Reilly, Nina Arianda, Shirley Henderson | 97 Minuten
Filmstart: 9. Mai 2019
Trailer