Das Münchner Hackathon Coding da Vinci startet am Wochenende

Ein Paar Archivhandschuhe | © Ralf Dombrowski

Der Kompromiss steht noch aus. Die einen sehen die Urheber im Recht, nun endlich am freien Fließen der Daten lizensiert partizipieren zu können, schließlich schaffen sie ja Werte, die andere ungeregelt oft durchaus profitabel nutzen. Die anderen meinen, Daten seien für alle da, und fordern #OpenAccess zur großen Wolke. Am Ende aber haben beide ein ähnliches Ziel: Sie wollen aus den ungeordneten Segnungen des Digitalen etwas Greifbares machen, Apps zum Beispiel, Programme, Plattformen. Und als Möglichkeiten, für deren Kreation auch den Spieltrieb der Menschen anzuzapfen, gibt es seit Jahren so genannte Hack Days, Treffen von Programmierern und Kreativen, die ohne feste Vorgaben innerhalb eines begrenzten Zeitraums und oft in zufälliger Zusammensetzung von Arbeitsgruppen an möglichen Formungen der Datenmengen arbeiten.

Eine aktuelle Version nennt sich »Coding Da Vinci« und ist ein Kultur-Hackathon, der an verschiedenen Orten der Republik versucht, aus manchmal abenteuerlichen Konvoluten etwas Identifizierbares zu machen. Input kommt von Bibliotheken, Archiven, Museen, von mehr als 30 öffentlichen Institutionen, die auf der Basis der #OpenAccess Teile ihrer digitalisierten Sammlungen zum möglichst einfallsreichen Bearbeiten zur Verfügung stellen. Insgesamt 11 Veranstalter von der Monacensia und dem Zentrum Digitalisierung Bayern bis zur Bayerischen Akademie der Wissenschaften haben sich diesmal für »Coding da Vinci Süd« zusammengefunden, die Kulturstiftung des Bundes steuert einen Obolus bei, Bayern 2 ist als Medienpartner im Boot. Los geht es mit dem Kick-Off-Wochenende am 6./7.April, jeweils ab 10 Uhr in der Münchner Stadtbibliothek im Gasteig, wo sich die Teams zusammenfinden und ihre Themen entwickeln können, die sie dann über die sechswöchige Sprintphase hinweg verfeinern. Die Besten werden dann am 18.Mai in der Nürnberger Tafelhalle zum Sieger des Hackathons gekürt.

Und es gibt durchaus ungewöhnliche Datensätze zum Bearbeiten. Die Monacensia beispielsweise stellt ihre Münchner Speisekartensammlung zur Verfügung, das Landesmuseum Württemberg bringt illustrierte Handwerksbögen aus dem 19. Jahrhundert mit. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften steuert die vielen Einträge des Fränkischen Wörterbuchs bei, das Deutsche Museum wiederum ist mit rund 7.000 Datensätzen zu Porträts im Visitenkartenformat aus sechs Jahrhunderten mit von der Partie und das Goethe-Institut lädt gleich 15 Kulturschaffende aus aller Welt ein, die einen brasilianischen Blick oder die Perspektive von der Elfenbeinküste beisteuern. Was am Ende herauskommt, weiß niemand, das Ergebnis ist offen. Aber die Erfahrungen mit Hack Days und Hackathons zeigen, dass aus solchen Initiativen reichlich clevere Ideen entstehen, die zuweilen sogar in Geschäftsmodelle münden. Wer dabei sein will, kann sich übrigens noch kostenlos anmelden, am einfachsten hier. ΙΙ

CODING DA VINCI SÜD
6./7.April 2019, jeweils ab 10 Uhr, Münchner Stadtbibliothek im Gasteig