So gut wie auf »Fool« war Joe Jackson schon lange nicht mehr. Nun macht er auch in München Station.

Joe Jackson| © earMUSIC, John Huba

Wen meinen wir eigentlich, wenn wir von Joe Jackson reden? Der britische Songschreiber, Produzent und Sänger hat unzählige Gesichter. Seit vierzig Jahren findet er immer wieder überraschende Verortungen im Niemandsland zwischen Pop, Rock, Jazz und Klassik. Auf seiner neuen CD »Fool« setzt er sich die Narrenkappe auf und macht eben diese Vielgesichtigkeit zum Thema. Das Song-Chamäleon hält nicht nur Rückschau auf seine eigene Laufbahn und ein gutes Jahrhundert klassisches Songwriting von George Gershwin über die Beatles und Kinks bis in die Gegenwart, sondern er hält der Gesellschaft auch einen kecken Spiegel vor. »Vielleicht steckt da einiges von mir drin«, räumt er verschmitzt ein. »Viel mehr geht es mir aber um den Stellenwert von Humor. Der Narr ist eine heroische Figur. Er sagt stets die Wahrheit, niemand wird seiner habhaft. Selbst wenn er eingesperrt wird, gelingt es ihm zu entkommen. Du kannst versuchen, ihn zu töten, aber er ist unverwundbar. Er ist unsterblich. So ist das auch mit dem Humor. Du kannst ihn nicht unterkriegen. Im öffentlichen Raum droht der Humor immer mehr ins Hintertreffen zu geraten. Die Political Correctness ist einer der größten Feinde der Kunst.«

Platten seien Fenster in bestimmte Zeiten seines Lebens, meint Jackson. Die Jahre sind nicht spurlos an dem mittlerweile 64-Jährigen vorbeigegangen, innerlich hat er sich aber eine fast infantil anmutende Unbekümmertheit bewahrt, die ihm auf »Fool« zugutekommt. Er kam mit seiner Band von einer Tour zurück, buchte kurzerhand ein Studio und nahm ohne viel Federlesen acht neue Songs auf. »Seit meinem allerersten Album habe ich keine vergleichbare Produktion mehr bestritten. Einfach vier Typen in einem Studio. Ich weiß nicht, warum nicht mehr Musiker solche Alben machen. Ich weiß ja nicht einmal, warum ich selbst nicht öfter solche Alben mache. Aber dazu braucht man eine reguläre Band. Ich arbeite mit diesen Jungs nun lange genug zusammen, um dieses Risiko eingehen zu können. Ich muss den Motor nur anschmeißen, und er läuft von selbst. Hätte ich noch länger gewartet, wäre es bestimmt nicht besser geworden.« ||

JOE JACKSON
Muffathalle| 1. April| 20 Uhr | Tickets: 089 54818181