Die Kunstrocker »Laibach« lieben die Camouflage. Diesmal verschanzen sie sich hinter »The Sound of Music«.

Laibach, Milan Fras| © Ralf Dombrowski

Männer mit Seitenscheiteln stiefeln durch eine Berglandschaft. In Riefenstahl-Romantik blicken sie heroisch in die Ferne. Dazu donnert eine Bassstimme »Live is Life« – das war 1987. Die vermeintlichen Herrenmenschen im Janker sind die slowenische Band Laibach, das Marschlied eine teutonisierte Version der Bierzelthymne. Das erzeugt auch heute noch Verwirrung, das ist auch heute noch genial. Seit der Gründung 1980 sorgten Laibach jedenfalls für allerhand Skandale und Missverständnisse. Das jugoslawische Regime etwa brach Konzerte gewaltsam ab und belegte die Band mit Auftrittsverbot, denn die Doppelprojektion eines Pornos mit Aufnahmen des verstorbenenPräsidenten Tito fand man gar nicht lustig. Auch im Westen stand man den vier Herrschaften immer wieder fassungslos gegenüber, auf den ersten Blick verständlich: Uniformen, totalitäre Symbole, der martialische Industrial-Sound. Hört und schaut man etwas genauer hin, wird offensichtlich, dass hinter Laibach mehr als plumpe Provokation oder gar Sympathie für Faschismus steht. Die Band treibt die fragwürdige Ästhetik lediglich auf die Spitze, entlarvt deren Aufgesetztheit und letztendlich das Lächerliche an ihr. Gleichzeitig zeigen die Musiker aber auch die packende Seite des Totalitären. Mit ihren Coverversionen machen sie deutlich, wie schnell unschuldige Songs der Beatles, der Stones oder von Europe zur politischen Waffe werden können.

Pop und Propaganda stehen sich näher, als man denkt. Das versteht man hier deutlicher als mit jeglichen Essays zumThema. Und 2015 dann der größte Knaller: Laibach spielen live in Nordkorea vor 1500 geladenen Gästen. Was anfangs wie ein PR-Gag wirkte, entpuppte sich als von Künstler und Regisseur Morten Traavik initiiertes Meisterstück. Natürlich griff zuvordie Zensur ein. Die angeblich pornografischen Statuen aus der Videoshow wurden verbannt, Sänger Milan durfte trotz seiner verstörenden Stimme gerade noch bleiben. In der Muffathalle sind Laibachs ganzem Potenzial hingegen keine Grenzen gesetzt. Und in Nordkorea wie in Bayern mit im Repertoire: ausgewählte Songs aus dem Musikfilm »The Sound of Music« über die Trapp-Familie, ein Migrantenschicksal der Nazizeit. Das mag absurd erscheinen, aber in den Laibach-Kosmos passt es perfekt.||

LAIBACH
Muffathalle| 18. März| 20.30 Uhr | Tickets: 089 54818181