Binnen weniger Wochen kommen zwei neue Filme von Marcus H. Rosenmüller in die Kinos: Das Biopic »Trautmann« und der Kinderfilm »Unheimlich perfekte Freunde«. Und dazwischen steht der arbeitssame Oberbayer im Vereinsheim auf der Bühne.

Marcus H. Rosenmüller | © SquareOne Entertainment

Wenn man mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm auf Anhieb ein Millionenpublikum erreicht, Bayerische und Deutsche Filmpreise gewinnt und selbst bei der Kritik Staunen und Anerkennung hervorrufen kann, dann kann man sich in dem Moment wohl nicht glücklicher schätzen. Allerdings macht das die Aufgaben, die danach kommen, nicht unbedingt leichter. Ein bisschen so ist es Marcus H. Rosenmüller ergangen. Der sympathische Oberbayer, 1973 in Tegernsee geboren, legte nach Abschluss seines Studiums an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film ein fulminantes Regiedebüt hin: »Wer früher stirbt ist länger tot« definierte den bayerischen Heimatfilm neu und zog eine wahre Welle ähnlich gelagerter Werke nach sich. »Rosi«, wie Rosenmüller nicht nur von Freunden, sondern auch in der Branche liebevoll genannt wird, blieb inder Folge seiner Linie, seinem Stil, seinen Themen zwar treu, aber er kopierte sich nicht. Stattdessen machte er mit dem Bobfahrer-Film »Harte Jungs« seiner Leidenschaft für den Sport Luft, versuchte sich mit »Räuber Kneißl« an einem historischen Stoff und faszinierte mit dem Kinderfilm »Die Perlmutterfarbe«. Binnen weniger Jahre entstanden unter anderem auch die für den BR realisierte Tandern-Trilogie, die 2007 mit »Beste Gegend« und »Beste Zeit« begann und 2014 mit »Beste Chance« ihren Abschluss fand. Inzwischen hat »Rosi« ein wenig den Fuß vom Gas genommen, er bringt jetzt nicht unbedingt alle sechs Monate einen Film ins Kino, wie es eine Zeitlang tatsächlich der Fall war. Aktuell sind sogar schon vier Jahre seit der letzten Regiearbeit vergangen. Und das war die Dokumentation »Hubert von Goisern – Brenna tuat’s schon lang«.

David Kross und Freya Mavor in »Trautmann«| © SquareOne Entertainment

Der Zufall will es nun, dass 2019 zwei Rosenmüller-Filme binnen kürzester Zeit in den Kinos anlaufen: »Trautmann« am 14. März und »Unheimlich perfekte Freunde« nur drei Wochen später am 4.April. Die beiden Projekte entstanden natürlich nicht parallel, aber aus produktionstechnischen, verleihstrategischen und anderen Gründen sind sie eben so nahe zusammengerückt. Mit »Trautmann« kann »Rosi«, der früher selbst ganz gut gekickt hat, seiner großen Liebe für den Fußball Ausdruck verleihen. Erzählt der Film doch die authentisch verbriefte Geschichte des deutschen Torhüters Bert Trautmann, der während des Zweiten Weltkriegs in englische Gefangenschaft geriet, danach auf der Insel blieb und – trotz anfänglicher Anfeindungen der Fans gegenüber dem »Nazi« – bei Manchester City eine ganz große Nummer wurde. Unsterblichkeit erlangte er schließlich, als er 1956 im Cup Final trotz gebrochenen Halswirbels weiterspielte und so seinem Team durch einige spektakuläre Paraden den Sieg sicherte. Rosenmüller ist aber nicht nur an einer Fußballheldenstory interessiert, er nutzt die bewegende Liebesgeschichte zwischen dem vonDavid Kross kongenial verkörperten Bert Trautmann und der jungen Engländerin Margaret (Neuentdeckung Freya Mavor) für ein flammendes Plädoyer für Versöhnung, Frieden und Völkerverständigung.

Luis Vorbach in »Unheimlich perfekte Freunde« © SquareOne Entertainment

Dieser »Human Touch« zieht sich nun auch durch »Unheimlich perfekte Freunde«, mit dem »Rosi« nach »Die Perlmutterfarbe« einen weiteren Kinderfilm vorlegt. Im Zentrum der Handlung stehtder zehnjährige Frido, der auf alles Bock hat, nur nicht aufs Lernen. Da kommt ihm der Zufall zu Hilfe. In einem Spiegelkabinett auf dem Jahrmarkt erweckt er sein Ebenbild zum Leben. Und dieser Doppelgänger kann alles, was Frido nicht kann, zum Beispiel gute Noten schreiben. Doch dann wächst der falsche Frido dem echten über den Kopf, mit fatalen Folgen. Rosenmüller, der hier Goethes »Faust« auf originelle Weise variiert, erweist sich zum einen als virtuoser Könner in puncto Schauspielführung, was ihm ins besondere Naturtalent Luis Vorbachals Frido und die herrlich überzogen agierende Margarita Broich als Lehrerin Frau Klawitter mit grandiosen Leistungen zurückzahlen. Zum anderen zeigt er sich als Meister im Verknüpfen unterschiedlichster Genres wie Familiendrama, Fantasy-Spektakel und Slapstick-Comedy. Bei allem Entertainment vergisst er aber nicht, eine Lanze für die Kinder, die Kindheit zu brechen und gegen schulischen Leistungsdruck und elterliche Tyrannei aufzubegehren, wobei wir wieder beim humanen Aspekt wären.

Rosenmüller, der sich selbst als mittelmäßigen Schüler bezeichnet, hat inzwischen selbst die Fronten gewechselt und ist seit einigen Monaten als HFF-Dozent tätig. Er sieht diese Tätigkeit als Geschenk und ist der Meinung, dass die Arbeit mit den Studenten jener mit den Kindern am Set ähneln würde. Und weil zwischen Regieführen, Drehbuchschreiben und an der Uni Lehren immer noch ein bisschen Platz ist, tritt Rosenmüller zusammen mit seinem Freund und Haus- und Hofkomponisten Gerd Baumann hin und wieder auf bayerischen Kleinkunstbühnen auf. Dabei geben die beiden Gedichte zum Besten, »vor allem, wenn sie sinnfrei sind und Wörter wie Streichwurstbrot, Umgehungsstraße oder Binnenvogel darin vorkommen«, so ein Pressetext. Das Programm heißt »Wenn nicht wer du« und wird am 27. März um 19.30 Uhr im Vereinsheim in der Occamstraße gegeben, also genau zwischen den Kinostarts von »Trautmann« und »Unheimlich perfekte Freunde«. Die »Rosi«-Festspiele können beginnen. ||

TRAUTMANN
Deutschland/Großbritannien 2019 | Regie: Marcus H. Rosenmüller | Mit: David Kross, Freya Mavor, John Henshaw
Kinostart: 14. März
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UNHEIMLICH PERFEKTE FREUNDE
Deutschland 2019 | Regie: Marcus H. Rosenmüller | Mit: Luis Vorbach, Jona Gaensslen, Margarita Broich | Kinostart: 7. April
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