Das Gärtnerplatztheater klotzt mit »Drei Männer im Schnee«, einem beglückenden Operetten-Spektakel.

»Drei Männer im Schnee«: Armin Kahl, Erwin Windegger, Alexander Franzen © Pogo Zach

»Das Grandhotel Bruckbeuren gehört zu den ganz teuren«, singt der Chor in der großen Verwandlungsszene von »Drei Männer im Schnee«. Und auch die Uraufführungsproduktion dieser Revueoperette im Gärtnerplatztheater gehört sicher in diese Preisklasse. Intendant Josef E. Köpplinger hat an nichts gespart. Er fährt alles auf, was sein Theater zu bieten hat: ein prächtig aufspielendes Orchester, einen spielfreudigen Chor nebst Kinderchor, behände Tänzer, mit Skiern steppend, dazu viel Schnee von gestern und heute, eine Art-déco-Hotelfassade samt Bergpanorama und glamouröse Kostüme, von Dagmar Morell stilecht in 30er-Jahre-Façon gebracht. Sogar der violette Anzug von Herrn Tobler ist vom Feinsten, auch wenn er darin eigentlich wie ein armer Schlucker aussehen soll.

Ob er nämlich als solcher genauso gut behandelt wird wie sonst als Millionär, will er ausgerechnet in Bruckbeuren herausfinden. Dieser wunderliche Fabrikant aus Berlin ist die Hauptfigur sowohl der Revueoperette als auch von Erich Kästners gleichnamigem Roman. Hier wie da funken ihm Tochter und Hausdame dazwischen. Sie informieren die Hoteldirektion über den ärmlich aussehenden Gast, der in Wahrheit Millionär und demnächst zu erwarten sei. Und tatsächlich, als er eintrifft, wird er zuvorkommend bedient. Nur ist es nicht Tobler, sondern Dr. Fritz Hagedorn, ein arbeitsloser Reklametexter. Als dann Tobler ankommt und sich als Schulze ausgibt, landet er in der Dachkammer.

Dass dieses soziale Experiment dann doch gut ausgeht, dafür hat schon Erich Kästner 1934 gesorgt. Ein Jahr, nachdem seine Bücher von den Nazis verbrannt worden waren, verpasste er seiner ursprünglich bitterbösen Geschichte von der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit ein versöhnliches Ende. Schließlich war damals die Blütezeit der Revueoperette. Dass Thomas Pigor diese Form jetzt für das Gärtnerplatztheater adaptiert, ist also nur konsequent. Er holt nach, was Kästner vor 85 Jahren versäumt hat. Und das gelingt ihm mit Leichtigkeit.

Er lockert die stubenreine Story erotisch auf, findet lustig pointierte Gesangstexte, ein Qualitätslibretto. Pigors Herkunft vom Musikkabarett ist da durchaus von Vorteil, auch bei den Musiknummern, die er, sein Klavierpartner Benedikt Eichhorn und der Max Raabe-Begleiter Christoph Israel vertont haben: feine Chansons, witzige Stilkopien und ironische Schnaderhüpferl. Für die größeren Formen und das Arrangement hingegen ist Konrad Koselleck zuständig, der aus der möglichen Operette letztlich doch ein Musical macht. Das liegt zum einen am Big-Band-Sound, der wenig Spielraum für Nuancen lässt (umso erstaunlicher, wie Dirigent Andreas Kowalewitz ihn trotzdem nutzt), aber auch an einer Musikdramaturgie, die vor allem auf Tempo setzt.

Den Sängern, allen voran dem Liebespaar Julia Klotz und Armin Kahl, fällt es da nicht immer leicht, ihre Rollen differenziert zu gestalten. Erwin Windegger und seinem Kammerdiener Alexander Franzen gelingt das schon besser. Am besten freilich macht es Sigrid Hauserals verruchte Salonschlange Frau Calabré. Als einzige Figur bringt sie die Doppelbödigkeit der Operette ins Spiel. Ungetrübten Operettenschmäh bieten auch die typisierten Tiroler in Gestalt charmant neckischer Milchfrauen oder jodelnder Zimmermadeln. Choreograf Adam Cooper arbeitet gekonnt der gewaltigen Theatermaschineriezu,die Regisseur Köpplinger mit Hilfe seines erfahrenen Bühnenbildners Rainer Sinell in Gang gesetzt hat. Die Inszenierung läuft wie geschmiert weiter, kennt keinen Stillstand – weder für dieMitwirkenden noch für das Publikum. Am Ende tobt es vor Begeisterung – erschöpft und beglückt von so viel Revuezauber im Schnee. ||

DREI MÄNNER IM SCHNEE
Gärtnerplatztheater| 3., 10. März| 18 Uhr
6., 7. März| 19.30 Uhr | Tickets: 089 21851960