In München startet »Amélie« als Musical. Mit viel Charme und Hilfe aus Gauting.

Sandra Leitner ist Münchens Amélie | © Ralf Dombrowski

Es gibt bereits zwei Amélies. Die eine tagwandelt durch den wunderbaren Film, mit dem Jean-Pierre Jeunet im Jahr 2001 seine Hauptdarstellerin Audrey Tautou durch ein imaginär nostalgisches Paris zu den betörenden Klängen von Yann Thiersen hat streifen lassen. Die andere erschien 2015 erstmals auf der Bühne im kalifornischen Berkeley und hat mit den Liedern von Daniel Messé inzwischen als Musicalproduktion in Los Angeles, am Broadway und auch in Japan Station gemacht. Und demnächst wird es in München noch eine weitere geben, die diese beiden Figuren und Musiken zu einer eigenen Inszenierung zusammenführt (Regie: Christoph Drewitz).

Mehrere Handlungsstränge werden verknüpft, im Vergleich zum Film neue Episoden wie etwa die Kindheit der Hauptfiguren Amélie und Nino hinzugefügt, und das erfordert auch dramaturgische Fantasie. So entsteht im Werk 7 des Werksviertels in der Nähe des Ostbahnhofs nicht nur ein Pariser Café als Angelpunkt der Handlung, sondern auch in Gauting wird geschnitzt, gebaut und konzipiert, in der Werkstatt des Puppenbauers Stefan Fichert. Die Idee: Die frühen Jahre von Amélie und Nino, die nun zur Handlung gehören, werden von den Hauptdarstellern anhand von Puppen dargestellt, die in der Werkstatt nahe der Würm entstehen. Fichert ist für die Münchner Theaterfreunde kein Unbekannter. So haben er und sein Ensemble Puppet Players zu Zeiten von Hans Werner Henze das Figurentheaterprojekt der Münchener Biennale geleitet. Es gab und gibt Kooperationen mit den Münchner Philharmonikern, den Kammerspielen, der Bayerischen Staatsoper, der Royal Shakespeare Company in London und nun auch mit dem Team der »Fabelhaften Welt der Amélie«.

Dass es dazu kam, war allerdings eine Verkettung von Zufällen. »Der Bühnenbildner und Designer des Musicals, Andrew Edwards«, erinnert sich Stefan Fichert, »sah eines Tages in London eine Aufführung vom Mädchen mit den Schwefelhölzern am Globe und war ganz begeistert von der Puppe, mit der die Geschichte dargestellt wurde. Er hat herausgefunden, dass Lindy Wright sie gebaut hat, wollte sie für die Amélie verpflichten, aber sie konnte nicht. Lindy und ich kennen uns seit Ewigkeiten, sie rief mich an, und so kam der Kontakt zustande.« Entwürfe wurden herumgeschicktund abgeglichen, man fandschnell zusammen, zumal die räumliche Nähe von Werkstatt und Bühne die Zusammenarbeit begünstigte. Schließlich ging es bald nicht mehr nur um die Puppen an sich, sondern auch um das Coaching der Darsteller. Stefan Fichert half mit Workshops zum Puppenspielen, seine britische Kollegin Lindy Wright unterstützte ihn für ein paar Tage dabei, und so arbeitete sich vor allem die Hauptdarstellerin Sandra Leitner nicht nur in ihre Rolle als Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin, sondern auch als Puppenspielerin ein.

Die 22-Jährige aus Ehringhausen bei Wetzlar ist für das Münchner Publikum übrigens keine Unbekannte mehr. Zuletzt war sie in der Musicaladaption der Filmkomödie »Fack Ju Göthe« zu erleben, nun steht sie als verträumte Titelheldin selbst im Zentrum des Geschehens: »Wir erzählen mit der Amélie ein modernes Märchen, die Story einer starken, aber doch so verletzlichen Frau. Wie sie die Herrin ihrer kleinen Welt in Montmartre ist, bin ich die Herrin auf meiner Bühne, meiner kleinen Musicalwelt«. Mitte Februar geht es los. Und wenn es dem Team wie auch den Puppen gelingen sollte, die Magie der fabelhaften Welt zu erhalten, dann hat die Münchner Amélie gute Chancen, wie schon ihre Vorgängerinnen viele Menschen zu betören. ||

DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE – DAS MUSICAL
Werk 7| Speicherstr. 22 | ab 14. Februar
wechselnde Anfangszeiten zwischen 14.30 Uhr und 19.30 Uhr | Tickets: 01805 4444