Massive Attack sind Meister rätselhafter, dunkler Klänge. Und Pflicht für avancierte Pophörer.

Massive Attack | © Propeller Music & Event GmbH

Eine der existenziellen Fragen, die man sich als Musikconnaisseur gerne stellt: Welches Massive Attack-Album war nun das beste? »Blue Lines«? »Protection«? Oder doch »Mezzanine«? Wer ganz klar zu letzterem tendiert, sollte sich den 5. Februar im Kalender anstreichen. Dann bringen die Indie-Urgesteine das vor über zwanzig Jahren veröffentlichte Album ins Zenith. Die 1987 in Bristol von Robert »3D« Del Naja, Grantley »Daddy G« Marshall und Andrew »Mushroom« Vowles gegründete Band gehört zu den prägendsten Gruppen des Genrehybrids Trip-Hop. Mit unterschiedlichsten Gastsängern und -sängerinnen, sowie dem Einsatz von Samples prägten sie einen Klang, der zwischen Melancholie und pulsierender Tanzstimmung hin und her pendelt.

Egal, welche Platte man von Massive Attack jetzt am besten findet, »Mezzanine« istzweifellos die atmosphärisch dichteste. Die Jazz- und Soulanleihen der Vorgänger werden zurückgeschraubt, stattdessen geht der Düsternisregler nach oben. Die Beats kriechen wie schwarzer, dickflüssiger Äther in den Gehörgang. Schon die erste Singleauskopplung »Risingson« wurde ein sinistrer Clubhit, der dem Zuhörer zeigt, was paranoides Tanzen ist. Das arabisch geprägte »Inertia Creeps« ist der Soundtrack zu mysteriösen Ritualen, an denen man wie unter Hypnose teilnehmen will. Die Zusammenarbeit »ManNext Door« mit Reggaekünstler John Holt kann man daneben als intergalaktischen Dub bezeichnen.

Das Highlight des Albums ist jedoch »Teardrop«, die Kollaboration mit Elisabeth Fraser. Die Cocteau-Twins-Sängerin haucht ihren Text über eingängige Klavier- und Cembalomelodien, ständig untermalt von einem verhallenden Rhythmus. Dass das dazugehörige Musikvideo von Walter Stern einen Fötus im Mutterleib zeigt, ist nur konsequent – als Zuhörer fühlt man sich schnell ähnlich weit ins Angreifbare geworfen. »Mezzanine« ist heute noch eines der ganz großen Alben des Genres, vielleicht auchdes gesamten Jahrzehnts. Und da es so gut wie gar nicht gealtert ist, ist das Konzert im Zenith mehr als eine Zeitreise. Vielmehr auch ein Trip in eine Welt aus Dunkelheit und Schönheit. ||

MASSIVE ATTACK
Zenith| Lilienthalallee 29 | 5. Februar| 20 Uhr
Tickets: 089 54818181