Nach den feucht-fröhlichen Abenteuern »Abschussfahrt« und »Gut zu Vögeln« scheinen Benedikt Böllhoff und Max Frauenknecht ihre filmische Pubertät abgeschlossen zu haben. Jetzt verblüfft das Münchner Produzentengespann mit »Verlorene«, einem etwas anderen Heimatfilm.

Benedikt Böllhoff und Max Frauenknecht © Max Frauenknecht (VIAFILM)

Ein Film lebt in erster Linie von seinen Schauspielern. Denn sie sind es, die vom Publikum auf der Leinwand direkt und unmittelbar wahrgenommen werden. Doch auch dem Regisseur, der die Darsteller zu inszenieren hat, kommt eine wichtige Rolle zu, ebenso dem Drehbuchautor, der die Figuren erdacht hat. Doch alle Kreativität nutzt nichts, wenn das gemeinsame Projekt am Geld scheitert. Um diese Finanzierung muss sich der Produzent kümmern, im Vergleich zu den charismatischen Studiobossen Hollywoods hierzulande ein eher unbekanntes Wesen – mit wenigen Ausnahmeerscheinungen wie Horst Wendlandt (verfilmte Edgar Wallace und Karl May) oder Bernd Eichinger (»Der Name der Rose«, »Der Schuh des Manitu«, »Das Parfum«), die auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt waren.

Der junge Produzent des 21. Jahrhunderts hält sich dagegen eher im Hintergrund, verzichtet auf das Rampenlicht und lässt stattdessen Taten sprechen – wie etwa Benedikt Böllhoff und Max Frauenknecht. Beide sind Jahrgang 1982 und beide haben, so Frauenknecht, »über die Begeisterung, unterhaltsame, aber auch anspruchsvolle Geschichten erzählen zu wollen«, zum Film gefunden. Kennengelernt haben sich der gebürtige Heilbronner Frauenknecht und der aus Bad Salzuflen stammende Böllhoff während ihres 2004 begonnenen Studiums der Produktion an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Schon zwei Jahre später gründeten die zwei ihre Firma Viafilm, um den Kurzfilm »Das Baby« zu realisieren. Böllhoff erinnert sich: »Damals noch ganz ohne größere Absicht, daraus eine dauerhafte Produktionsfirma zu gründen, sondern eher mit dem Blick für die beste Aufstellung für den anstehenden Film. Wir haben uns dann so gut ergänzt, dass nach und nach neue Projekte kamen.«

Mehr als ein Dutzend Fernseh- und Kinoproduktionen sind in den letzten zwölf Jahren so durch Viafilm entstanden. Auffallend ist dabei die intensive Kooperation mit dem Münchner Produzentenkollegen Christian Becker und dessen Firma Rat Pack, die unter anderem für Millionenseller wie »Fack Ju Göhte« oder »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer« verantwortlich zeichnete. Diese Zusammenarbeit kommt nicht von ungefähr, wie Max Frauenknecht erläutert: »Christian hat sicherlich einen maßgeblichen Anteil an unserem Werdegang, da er der Erste war, der uns nach dem Studium mit Das Haus der Krokodileeinen größeren Kinofilm anvertraut hat. Danach konnten wir noch weitere Projekte zusammen realisieren. Bei allem war Vertrauen die Grundlage, um ein erfolgreiches Projekt auf den Weg zu bringen, und bis heute arbeiten wir noch sehr eng mit ihm zusammen, und Christian steht uns immer mit Rat und Tat zur Seite.«

In der jüngeren Vergangenheit machte Viafilm vor allem durch Filme auf sich aufmerksam, die eher das Etikett seichte bis leichte Unterhaltung für Kinder und Teenager verdienten. Darunter fallen Titel wie die beiden »V8«-Filme von »Wilde Kerle«-Erfinder Joachim Massanek sowie »Abschussfahrt – Vier ist einer zu voll« und »Gut zu Vögeln«.

Enno Trebs (Valentin) und Maria Dragus (Maria) |© W-film / Bernhard Keller

Jetzt überraschen Böllhoff und Frauenknecht, wohlgemerkt in ihrer Funktion als Produzenten, mit einem mitreißenden Drama, einem beeindruckenden (Anti-)Heimatfilm über eine junge Frau aus der Provinz, die ein düsteres Geheimnis in sich trägt. »Verlorene« ist das mit Tabus brechende Kino debüt von Felix Hassenfratz und fasziniert durch seine eigenwillige Bildsprache, überzeugende Schauspieler und detailgenaue Milieuschilderung. Böllhoff ist sich im Klaren, dass es sich hierbei um pures Arthousekino handelt: »Wir sind da ganz realistisch und freuen uns über jeden Zuschauer, den man mit einem anspruchsvollen Film erreicht, der in nur wenigen Kinos laufen wird.« Aber die beiden wollten den Film unbedingt machen: »Wir können wirklich sagen, dass wir über den Regisseur und Autor an den Stoff gekommen sind. Wir wollten mit Felix arbeiten, ihm einen Raum schaffen, seinen Debütfilm zu erzählen. Nach und nach sind wir dann tiefer in die Entwicklung mit eingestiegen und haben den Inhalt auch den unseren werden lassen.«

Inzwischen ist Viafilm auch schon der nächste Coup gelungen. Die Firma konnte mit Kultregisseur Marcus H. Rosenmüller (»Wer früher stirbt, ist länger tot«) den Kinderfilm »Unheimlich perfekte Freunde« (Start: 4. April) umsetzen. Und auch in Zukunft will das Produzentengespann, dessen Büros sich auf dem Bavaria-Filmgelände befinden, mehrgleisig fahren, so Frauenknecht: »Wir werden ein Spektrum von Unterhaltungskino für die breite Zuschauerschaft bis zu spezielleren Arthousefilmen angehen. Wir müssen aber auch ganz klar sagen, dass man sich letztere leisten können muss. Daher gehen wir all unsere Projekte sehr ausgewählt und mit einem Blick auf die Auswertungsmöglichkeiten an.« ||

VERLORENE
Deutschland 2018 | Regie: Felix Hassenfratz
Produktion: Benedikt Böllhoff und Max Frauenknecht | Mit: Maria Dragus, Anna Bachmann, Clemens Schick u.a.
91 Minuten | Kinostart: 17. Januar
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