… ist unsere Gesellschaft im großartigen Kabarettsolo von Max Uthoff.

So klein sind die sozialen Unterschiede in der Welt nicht. Sagt Max Uthoff © Michel Neumeister

In Moskau leben fast 40.000 Straßenhunde. Warum Max Uthoff sein neues Solo »Moskauer Hunde« benannt hat, erklärt der Kabarettist erst am Ende seiner brillanten Gesellschaftsanalyse. Doch was er vom Hund hält, sagt er bald: Er sei »der Rudolf Heß unter den Tieren«, treudoof, egal, wer am Ende der Leine stehe. Auf den Fährten häufchensammelnder Hun -debesitzer führt er seine Zuschauer »mental Gassi« durch diese Republik und die globale Welt. Hinter der harten Abrechnung steckt solide Recherche mit belastbaren Fakten, wie sie auch »Die Anstalt« auszeichnen. Das ist ein Kurs in Aufklärung mit geschliffenem Witz; als sein eigener Gesprächspartner liefert Uthoff in Miniszenen lakonische Aphorismen.

»Respekt ist nicht teilbar« ist seine Maxime: Er sieht immer erst den Menschen, selbst im AfD-Gauland entdeckt er eine tiefe Melancholie. Wahrscheinlich, weil der gern viel früher geboren worden wäre. Uthoff, Jahrgang 1967, auch, aber nicht so früh: Er bedauert nur, dass er die APO-Zeit als Knirps nicht bewusst erleben konnte. Umso bewusster sieht er heute hin in einer Gesellschaft, die in Singularitäten zerfällt, und einer Demokratie, die sich als »Regierungsplan der Besitzenden« versteht.

Er unterteilt das Publikum in Bewohner des globalen Nordens und Südens, um die Auswirkungen von Kolonialismus und Kapitalismus in der Dritten Welt zu verdeutlichen: Ersterer ließ die Menschen erschießen, wenn sie ihre Reichtümer nicht rausrückten, letzterer lässt sie verhungern. Allen Politikern ins Stammbuch: »Wer vom Kapitalismus nicht reden will, der soll von Fluchtursachen schweigen.« Dass sich Deutschland um Flüchtlinge kümmere, sei nur »eine Rückzahlung historischer Schulden«. Dafür arbeitet auch das Reisebüro »Honest Travelling«. An Orten, wo sonst keiner hinwill, besucht man die Opfer der Globalisierung: Kinder bei der Arbeit in Nähfabriken oder auf Müllkippen, wo sie unter hochgiftigen Dämpfen Handys ausschlachten. Dass hungernde Menschen ein Land, in dessen Supermärkten regalweise Katzenfutter angeboten wird, für ein Paradies halten, sollte einen nicht wundern. Mancher Flüchtling ernährt sich davon.

Uthoff seziert messerscharf den maroden Zustand der Welt, unsere gesellschaftszerstörerische Abhängigkeit vom Konsum und den sozialen Medien als Surrogat für Nähe. »Was für die einsame Lust die Gummipuppe, ist für das soziale Netz die Facebook-Gruppe.« Er schlägt einen Beate-Klarsfeld-Gedenktag vor, wo jeder auf der Straße einen Nazi ohrfeigen darf. Das würde wohl Fronten klären, aber kaum für ein friedlicheres Miteinander sorgen. Doch Satire darf bitter und böse sein. Die politische Realität ist es auch allzu oft. Übrigens: Dauerklatschen am Schluss zum Erzwingen einer Zugabe ist juristisch gesehen Nötigung. ||

MOSKAUER HUNDE
Kammerspiele| 4. Dez.| 20 Uhr | Tickets: 089 23396600
Lustspielhaus| 17., 18. Jan., 18., 19. Feb.
2019| 20 Uhr | Tickets: 089 344974