Für »Wir kriegen euch alle« ermitteln Leitmayr und Batic zum 80. Mal als »Tatort«-Team. Ein Jubiläum mit finsterem Plot.

Die Münchner Tatort-Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) bei ihrem 80. Einsatz © Hendrik Heiden

Sendetermin 1. Advent, Auftritt Weihnachts­mann, nur dass er sich diesmal nicht als der freundliche Alte mit dem Sack voller Lecke­reien erweist, sondern als potenzieller Serienmörder, der über das Kostüm und über sprechende Puppen, die auf rätselhafte Weise zu den Kindern gekommen sind, das Vertrauen der Zöglinge erschleicht, um deren Eltern zu meucheln. »Wir kriegen euch alle« (Drehbuch: Michael Comtesse, Michael Proehl) ist eine wilde Geschichte von Missbrauch, Verdrängung und versteckter Schuld, mit der die Münchner »Tatort«-­Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) zum inzwischen 80. Mal gemeinsam die Spur aufnehmen, in der sauberen Stadt der Reichen. Für den Regisseur Sven Bohse war es klar, dass er dazu ein München wollte, das sich vom Postkarten­blick der bayerischen Idylle unterscheidet: »In diesem Fall brauchte die Geschichte bestimmte Bilder, die Betonung der Urbanität, weniger des Provinziellen, was man bei München ja beides finden kann. Wir haben daher unsere Motive in der Schwanthalerstraße oder um den Bahnhof herum gewählt, in der Absicht, der Handlung die Anmutung eines Großstadtthrillers zu geben. Ein »Tatort« ist ein Seismograf der Atmo­sphären und sozialen Stimmungen. Die Kultur des Ortes trägt daher immer ein wenig die Kultur der Geschichte. In diesem Fall könnte die Story zwar auch anderswo spielen, denn sie ist bewusst so angelegt. Trotzdem glaube ich, dass die jeweilige Eigenart der Ermittler bestimmt, wie sich die Geschichte ent­wickelt.«

Dieser Stil hat sich über die Jahre hinweg Schritt für Schritt entwickeln können. Bereits 1990 standen Nemec und Wachtveitl zum ersten Mal als »Tatort«-­Team vor der Kamera und mussten für die Folge »Animals« den Mord an einer Tier­schützerin aufklären, die sich mit einer Kosmetikfirma ange­legt hatte. Seitdem sind sie gemeinsam ergraut, haben sich durch Niederungen der menschlichen Seelenwelt gekämpft und sich doch ein Grundvertrauen erhalten, dem Bösen auf die Schliche zu kommen, auch wenn es in der Gestalt des Guten die Runde macht. »München hat eine zupackende, direkte Art, mit den Fällen umzugehen,« erklärt Bohse weiter. »Und die Ermittler sind zwei Charaktere, die eine große Inte­grität und Herzlichkeit vermitteln, aber auch eine realistische, bodenständige Art haben. Außerdem spürt man, dass neben der Arbeit die private Freundschaft der beiden Schauspieler über die Jahre hinweg gereift ist. Da ist eine Verbundenheit entstanden, die letztlich ein gutes Team prägt und trotz der langen Zusammenarbeit eine jugendliche Frische im gemein­samen Auftreten ermöglicht. Man schaut ihnen gerne zu, weil man genau diese Gemeinsamkeit spürt.« Das wiederum passt zu Sven Bohses Vorstellung vom Erzählen: »Mich interessiert es, in einem Film mit seinen Figuren eine in sich geschlos­sene, konsistente Welt zu entwerfen. Für mich ist es der eigentliche Spaß, den Zuschauer am Ende in einen eigenen, stimmigen Kosmos mitzunehmen, auch wenn es darum geht, authentisch zu wirken. Er sollte ein empathisches Verhältnis zu den Figuren entwickeln, denn je stärker das ist, umso stär­ker ist auch der Sog hinein in die Geschichte.« Wenn dann der Weihnachtsmann kommt … ||

TATORT: WIR KRIEGEN EUCH ALLE
Sendetermin 2. Dez. |ARD| 20:15 Uhr | Regie: Sven Bohse
Deutschland 2018 | 90 Min.