Peter Tilling spielt am 20. November im Münchner Orff-Zentrum und dirigiert am 30. November in Salzburg

Peter Tilling | © Astrid Ackermann

Peter Tilling gehört zu den wenigen Dirigenten, die mit ebenso viel Kenntnisreichtum, Leidenschaft und Charisma Oper und zeitgenössische Werke, ob zarte Kammer- oder große Orchestermusik, aber auch das Repertoire der Klassik beherrschen. Gerade eben hat er beim Konzert mit dem Philharmonischen Orchester Regensburg Modernes mit Haydn und Mozart gerahmt. Haydns D-Dur-Symphonie »Die Uhr« eröffnete den Abend, Mozarts große späte Es-Dur-Symphonie beendete ihn, dazwischen erklang Peter Ruzickas »Aulodie« und als deutsche Erstaufführung ein Concertino von Tomas Skweres, selbst Solocellist des Regensburger Orchesters.

Am 20. November (19 Uhr) ist Peter Tilling mit Mitgliedern seines »ensemble erranti« im Carl-Orff Zentrum München in einem Konzert unter dem Titel »From Orff on/further« zu erleben und wird dabei auch als Cellist zu hören sein. Neben ihm bestreiten nur drei weitere Musikerinnen und die Mezzosopranistin Verena Usemann den Kammermusik-Abend: Anne-Cathérine Heinzmann (verschiedene Flöten), Sarina Zickgraf (Bratsche) und die Harfenistin Maria Stange. Die »Canzoni e Ricercari« für Flöte, Bratsche und Cello des erst 25-jährigen Aribert Reimann gliedern den ersten Teil des Konzerts, das auch Kompositionen von Carl Orffs Mitarbeiterin Gunild Keetman aus ihrem »Spielbuch für Xylophon« in Bearbeitung von Peter Tilling enthält und feine Kammermusik von Berio, Henze und Lachenmann. Nach der Pause gibt es Solostücke für Bratsche (Joanna Wozny), Harfe (Hindemith) oder Debussys berühmte Sonate für Flöte, Bratsche und Harfe sowie Uraufführungen von Boris Yoffe für Bratsche und Cello, genannt »Klagenspiel«, Benjamin Scheuer und Tilling selbst. Das Konzert endet mit einer Bearbeitung des berühmten Violen-Kanons am Ende des letzten Bühnenwerks von Carl Orff (»De temporum fine comoedia«).

Am 30. November (19.30 Uhr) eröffnet Tilling die erste Ausgabe des renommierten Salzburger Festivals »Dialoge«, die der neue künstlerische Leiter Fladvad Geiger zu verantworten hat. Unter dem Titel »Aspekte der Moderne« macht es mit dem Mozarteum-Orchester die Begegnung möglich von radikaler Moderne der heute über 70-Jährigen wie Peter Ruzicka und Peter Eötvös mit jüngeren Komponisten, die für ganz andere musikästhetische Richtungen stehen wie der 40-jährige Johannes Motschmann, der in seiner Heimat vielgespielte 37-jährige Amerikaner Adam Schoenberg, der weder biographisch noch musikalisch verwandt ist mit seinem berühmten Namensvetter, oder der junge Engländer Cameron Michael Graham. Er ist mit einem Werk vertreten, das den schönen Titel trägt: »Slow.Burn.Footwork«.

Alle Stücke sind in den letzten vier Jahren entstanden, so auch Wolfgang Rihms »Verwandlung 5«, ein Orchesterscherzo in der Traditionslinie Mahler-Berg, oder Peter Ruzickas »Elegie«. Der Komponist zu seinem Werk: »Die letzten 13 Takte, die Richard Wagner schrieb und am Vorabend seines Todes im Palazzo Vendramin Freunden vorspielte, sind eine Liebeserklärung an Cosima. ‚Elegie‘ erscheint wie eine musikalische Selbstbeobachtung, die wie von Ferne auf den ‚Tristan‘ verweist. Die Offenheit und Unbestimmtheit von Wagners Klavierskizze veranlasste mich zu einer sehr persönlichen musikalischen Annäherung und Entfernung innerhalb eines Streichorchesters, dem Impulse und ‚Schattenklänge‘ dreier Flöten und des Schlagzeugs unterlegt sind.“

Last but not least spielt der junge Benedict Kloeckner das erst im Januar uraufgeführte Cellokonzert von Daj Fujikura, dessen raffinierte Kammeroper »Solaris« im Mai am Augsburger Staatstheater zu erleben war. Es ist, wie Martin Wilkening in der Berliner Zeitung schrieb, »ein einsätziger Monolog des Solisten, den das Orchester, aus dem Marimba und Xylophon oft hervortreten, in Klangsplittern reflektiert. Dramaturgisch ist diese Musik leicht nachvollziehbar, wie aus einzelnen Szenen zusammengesetzt, deren festgehaltener Charakter jeweils auf bestimmte Aspekte ausgerichtet ist«, also Klang, Rhythmus oder Melodie. Und weiter: »Die ausgiebige Verwendung von Flageolett-Klängen im Solocello begründet eine durch Naturtöne gebrochene spektrale Harmonik, deren Vieldeutigkeit schräg steht zu der dramaturgischen Schlichtheit.«