Mit »Aufbruch zum Mond« widmet sich Damien Chazelle nach seinem Welterfolg »La La Land« Neil Armstrong, dem Helden der ersten Mondlandung – und dem steinigen Weg bis dorthin.

Ryan Gosling als Neil Armstrong in Damien Chazelles »Aufbruch zum Mond« | © Universal

Man ist umgeben von einem vibrierenden, stählernen Sarg. Um einen herum Dröhnen, Fiepen, Geräusche, Knallen. Neben einem sitzt Neil Armstrong (Ryan Gosling), der ver­sucht hier lebend herauszukommen. Was sich nach einem sehr grotesken Albtraum anhört, ist die Eröffnungsszene von »Aufbruch zum Mond«. Der wohl berühmteste Astronaut der Welt war hier noch Pilot bei der Air Force. Schnell wird klar: Leben und Tod stehen in dieser Welt nahe beieinander.

Damien Chazelle, der mit »La La Land« schon das Musicalgenre zurück in die Köpfe der Kinobesucher zauberte, rückt in seinem neuen Film die Mondlandung in ein anderes Licht. Dabei hält er sich eng an die offizielle Armstrong­-Biografie von James R. Hansen. Chazelle bringt also nicht einen idealisierten Helden auf die Leinwand. Stattdessen zeigt er an seinem Beispiel, welche Opfer und Ängste hinter einer historischen Heldentat stehen. Alles beginnt schon mit einer Tragödie, nämlich als Armstrongs kleine Tochter stirbt. Um diesen Verlust zu überwinden, beginnt er einen neuen Lebensabschnitt: Er wird Astro­naut bei der NASA. Von hier an prallen Welten aufeinander. Familienleben und Lebensgefahr beeinflussen sich gegenseitig, sind nicht mehr voneinander zu trennen. Seine Frau (Claire Foy) muss aus dem Funkapparat hören, ob ihr Mann im Weltall zurechtkommt oder nicht. Heute trifft man die Kollegen noch auf ein Bier im Garten, nächste Woche vielleicht schon wieder bei einer Beerdigung. Beim Wettrennen um den Mond verheizt die NASA ihre Piloten im wahrsten Sinne des Wortes.

Und wofür eigentlich? Im Großen und Ganzen sympathisiert man doch mehr mit den Demonstranten, die dagegen protestieren, dass für diesen Wahnsinn auch noch ihre Steuer­gelder draufgehen. Entscheidend für den Zuschauer ist aber doch viel mehr Armstrongs Motivation. Und auch aus der wird man nicht ganz schlau. Ryan Goslings introvertiertes, verschlossenes Spiel macht diese Figur zu einem wirklichen Mysterium.

Und wie am Anfang schon beschrieben, versteht es »Aufbruch zum Mond« das Publi­kum mitten ins Geschehen zu ziehen. Er zeigt die ungeschönte, klaustrophobische Atmo­sphäre innerhalb der Raumkapseln, erschafft mit genialer Kamera- ­und Soundarbeit eine Stimmung, die nichts Heldenhaftes mehr an sich hat. Glücklicherweise hält Chazelle das Pathos allgemein in Grenzen; auf dem Mond angekommen, werden weder Ruhm und Ehre ausgepackt, sondern die Bilder zeigen die unendliche – wenn auch schön in Szene gesetzte – Einsamkeit der Mondlandschaft und letztlich auch die seiner neuen Besiedler. Das Aufstellen der amerikanischen Flagge – für andere Regisseure sicher die wichtigste Szene – fällt komplett weg. Nach der Premiere in Venedig wurde deswegen erzürnt von Anti­amerikanismus gesprochen, unter anderem vom republikanischen Senator Marco Rubio.
Die Stärke von »Aufbruch zum Mond« liegt aber nun zum Glück nicht in anbiedernden Gesten und epischem Kitsch, sondern in sei­ner knallharten Ehrlichkeit. ||

AUFBRUCH ZUM MOND
USA 2018 | Regie: Damien Chazelle
Mit: Ryan Gosling, Claire Foy u. a. | 142 Minuten
Kinostart: 8. November
Trailer