Seine Karriere endete 1933, den Zweiten Weltkrieg überlebte er in einem Kellerversteck: Der vergessene Berliner Expressionist Fritz Ascher wird nach Jahrzehnten wiederentdeckt.

Fritz Ascher: »Selbstbildnis«| 1953 | Gouache über schwarzer Tusche und Aquarell, 45,5 x 31,5 cm | Privatsammlung || © Bianca Stock, München 2018

Auf dem Gruppenfoto bei der Hochzeit der Schwester 1918 steht er im Hintergrund, zwei Porträtaufnahmen zeigen ihn um 1950, mehr Fotos haben sich nicht erhalten von Fritz Ascher, der 1970 mit 76 Jahren inBerlin starb. Ein Zeichen für die Vergessenheit, für den Verlust seines Werks, den er bei einem Bombenangriff erlitt, für die Aufgabe seiner künstlerischen Tätigkeit 1933, für die geringe Beachtung, die ihm nach 1945 gewidmet wurde. Der Sohn einer jüdischen Mutter, Enkelin aus dem Hause von Bleichröder, und eines 1901 assimilierten Zahnarztes und Zahnschmelz-Unternehmers musste im Nationalsozialismus das Malen aufgeben, wurde 1938 im KZ Sachsenhausen und 1939 im Polizeigefängnis Potsdam interniert, trug den Gelben Stern, entging knapp der Deportation und überlebte den Krieg versteckt im Kartoffelkeller einer Villa in Grunewald. In seiner Einsamkeit schrieb er Gedichte, und als er wieder zu arbeiten begonnen und 1946 in der prominenten Galerie Buchholz eine Einzelausstellung hatte, blieb er Außenseiter, der sich dem Kunstbetrieb verweigerte und Landschaften im Grunewald und Sonnenblumen malte. Ein typisches Schicksal der »verschollenen Generation«, wie man die zweite Linie der Expressionisten, Spätexpressionisten und Realisten zwischen den Kriegen taufte, als man sie in den 90er Jahren wiederzuentdecken begann.

Im Kallmann-Museum macht nun die erste Retrospektive der Fritz Ascher Society for Persecuted, Ostracized and Banned Art, New York, Station, begleitet von der ersten Publikation über den vergessenen Maler. Kein Geringerer als Max Liebermann hatte den 16-Jäjhrigen an die Kunstakademie Königsberg empfohlen, später nahm er Unterricht unter anderem bei Lovis Corinth. 1914 besucht er mit einem Freund Edvard Munch, schließt nach dem Ersten Weltkrieg Bekanntschaft mit Künstlern der Brücke und des Blauen Reiter. Seine expressiven Bilder und Zeichnungen widmen sich christlichen und mythologischen Themen und den Typen der Zeit wie Boxern und Bajazzos.

Erstaunlich, was und wie der Einzelgänger nach der Befreiung vom Nationalsozialismus malte: Einerseits überarbeitete er frühere Motive, andererseits widmete er sich dannfastausschließlich landschaftlichen Szenen im Grunewald, Blumen und dunklen Köpfen mit gespannten Lippen und gesenktem Blick. Dunkel glühen die Bäume, oft ebenso melancholisch oder düster seine Sonnenblumen und Landschaften mit Sonne. Schwarz glühen die Bäume in seinen Gouachen mit Tusche. Und ein Kreuz auf dem Selbstmörderfriedhof. ||

LEBEN IST GLÜHN – DER EXPRESSIONIST FRITZ ASCHER
Kallmann-Museum Ismaning| Schloßstr. 3b, 85737 Ismaning
bis 25. November| Di–So 14.30–17 Uhr | Führungen: 25. Nov.,15 Uhr, 15. Nov.,18.30 Uhr | Das Katalogbuch (Wienand Verlag, 292 S.) kostet im Museum 29 Euro | Konzerte und weitere Termine