Die Münchner Symphoniker verordnen sich ein neues Erscheinungsbild und eine spannende Konzertsaison.

Die Münchner Symphoniker mit ihrem Chefdirigenten Kevin John Edusei| © Marco Borggreve

Es war ein schönes Logo für das dritte in München beheimatete große Symphonieorchester neben Philharmonikern und BR-Symphonikern: ein weißer Friedensengel auf gelbem Grund. Bei den Farben des Stadtwappens Weiß und Gelb ist es geblieben, aber jetzt stehen zwei dicke weiße Punkte neben dem Schriftzug münchner symphoniker und das y hat Pünktchen, also ein sogenanntes »Trema« bekommen. Auch das
Motto »Der Klang unserer Stadt« ist geblieben, denn neben einer neuen Organisationsstruktur, die die Planung und Durchführung der Konzerte ganz in die Hand des Orchesters mit Intendantin Annette Josef und Chefdirigent Kevin John Edusei legt, bleibt einiges beim Alten oder wird weiterentwickelt, so die kontinuierliche Erweiterung des klassischromantischen Repertoires.

Dabei sind die Programme inhaltlich so beziehungsreich, wie es in München sonst nur noch dem Münchener Kammerorchester gelingt. Daher werden nicht nur zu Unrecht vergessene Komponisten in der neuen Saison immer wieder in den Fokus gerückt, sondern stets in Beziehung zu anderen Werken gesetzt. So gibt es die Ballade für Orchester op. 33 von Samuel Coleridge-Taylor in einem Konzert mit der »Harlem-Suite« Duke Ellingtons und »Aus der Neuen Welt« Antonín Dvoráks. Geboren 1875 als Sohn eines aus Sierra Leone stammenden Vaters und einer englischen Mutter, wurde Coleridge-Taylor zu einer Leitfigur der
Afroamerikaner in den USA. Durch den Roman »Der schwarze Mozart« von Jan Jacobs Mulder, der vor kurzem auf Deutsch erschien, könnte der 1745 in Guadeloupe geborene, später in Frankreich lebende Joseph Boulogne Chevalierde Saint-Georges auch dem interessierten deutschen Publikum klassischer Konzerte ein Begriff werden. Er ist in der nächsten Spielzeit mit einem seiner Violinkonzerte und der Suite aus »L’Amant Anonyme« vertreten. Vom »schwedischen Mozart«, auch »Odenwälder Mozart« genannt, gibt es die »Trauermusik für Gustav III.«, an dessen Hof in Stockholm Joseph Martin Kraus aus Buchen lange gewirkt hat.

Wie Mozart 1756 geboren, erklingt auch Johann Christoph Vogels Ouvertüre zu »Démophon« im selben Konzert unter Leitung von Reinhard Goebel, das Beethovens »inneren Lehrern« gewidmet ist. Christian Josts Violinkonzert »TiefenRausch« aus dem Jahr 1997 spielt Linus Roth im Zen trum eines Programms zum Thema »Meer«, das darüber hinaus Kompositionen von Debussy und Britten umfasst. Viele Konzepte also, viele Ideen, die die inhaltlichen Akzente der Münchner Symphoniker unter neuen Schwerpunkten setzen.

Abseits dieser Abende im Herkulessaal gibt es außerdem das schöne Format »HörBar« im 300 Besucher fassenden Technikum für ein Publikum, das Musik lieber in eher ungezwungenem Rahmen hört oder einen ersten Schritt ins klassische Terrain wagen möchte. Diese einstündigen After-Work-Konzerte beginnen schon jeweils um 19 Uhr und man darf Breze und Getränk zu diesem moderierten Abend mit in den Saal nehmen. Beim ersten Termin am 15.November gibt es unter dem Motto »Klangbilder« Pietro Mascagnis »Visione lirica«, ein Oboenkonzert Vivaldis, die Fantasie über Donizettis »Poliuto« von Antonio Pasculli – beides mit dem Solisten Joao Miguel Moreira – sowie Richard Rodney Bennetts Marimbakonzert – mit Live-Videoperformance von Valerie Holmeier. Das ist gewagt, aber genau das, was ein Orchester braucht, um nicht auf der Stelle zu treten. Denn die Hörer wollen abgeholt werden und die neue Konzertsaison bietet dafür viele unterschiedliche Ausgangspunkte. ||

MÜNCHNER SYMPHONIKER SPIELZEIT 2018/19
Herkulessaal/Technikum u.a. | ab 19. Okt.
Tickets: 089 44119626