Die Band Britta hatte ziemlich viel Pech. Und sie feiert trotzdem Jubiläum.

Britta heute: Julie Miess, Sebastian Vogel, Christiane Rösinger, Barbara Wagner (v.l.n.r.) | © Ralf Metzler

Die erste veröffentlichte Aufnahme der Band Britta wurde in falscher Geschwindigkeit auf einer von Franz Dobler zusammengestellten CD über deutschsprachige Popjuwelen veröffentlicht. Eine andere Schallplattenfirma, die Britta sodann begeistert in ein Hamburger Studio schickte, damit dort das erste Album aufgenommen würde, war schon pleite, als die Aufnahmen begannen. Nur hatte das niemand von der Band mitbekommen, die ihre Karriere daraufhin mit Schulden startete.

Ein eigenes Label Flittchen Records wurde als Reaktion darauf gegründet, auf dem neben anderen Tonträgern auch dreieigene Alben veröffentlicht wurden. Doch kaum hatten sich die ersten Platten gewinnbringend verkauft, floss der Gewinn in die Konkursmasse des pleitegegangenen Indievertriebs. Darüber hinaus starb die Namensgeberin der Band, Britta Neander, mit gerade mal 48 Jahren im Dezember 2004 an den Folgen einer Herzoperation. Ein kurzes Leben, das sie aus Rodgau bei Frankfurt in die Berliner WG der Ton Steine Scherben führte, mit denen sie auch nach Fresenhagen zog. Als Perkussionistin spielte Britta Neander in Rio Reisers Soloband, während ihr Bruder Albrecht sein Glück als Gitarrist bei den Rodgau Monotones versuchte. Mit anderen Frauen aus dem Scherben-Umfeld gründete sie ihre eigene Band »Carambolage«, und wenn sie nicht musikalisch beschäftigt war, arbeitete sie außerdem als Malerin und Illustratorin von Kinderbüchern. Wieder nach Berlin zurückgekehrt, trommelte Neander schließlich bei den Lassie Singers, mit deren Sängerin Christiane Rösinger sie parallel gemeinsam mit der Bassistin Julie Miese ebenjene Band namens Britta initiierte, die seitdem irgendwie, aber doch spürbar zum deutschen Popleben gehört.

Es wurde auch diesmal wieder keine besonders glückliche Combo, aber eine der besten deutschsprachigen, die in einerbesseren Welt mehr Erfolg gehabt hätte. Andererseits hätte es Britta in einer besseren Welt gar nicht gebraucht, um etwa dagegen zu protestieren, dass Frauen nur bekommen, was sie wollen, wenn sie genügsam gar nichts wollen. Auf Staatsakt erschien heuer nach zwanzigjährigem Bestehen der Band eine Best-of-Sammlung, die die Band am 15. Oktober mit Sebastian Vogel an den Drums im Unter Deck präsentiert. ||
BRITTA
Unter Deck| Oberanger 26 | 15. Okt.| 20 Uhr
Tickets: 089 548181400