Mona Vojacek Koper begibt sich in »Sorry not sorry« auf die Suche nach dem Objekt in der Frau.

Im Dauerlächelmodus: Mona Vojacek Koper| © Mara Fischer

Seltsam, das soll eine feministische Performance zum Objektstatus des Frauenkörpers sein? Im Bühnenhintergrund balancieren ein Mann (Shenja Lacher) und eine Frau (Mona Vojacek Koper) im Video auf einem Baumstamm rum. Erinnert fatal an den Schmachtfetzen »Dirty Dancing«. Dazu läuft auch der Filmhit »Hey Baby«. Der Romantiksound mutiert zum Wiesnhit, und Mona Vojacek Koper stürmt in echt auf den Bühnenwürfel im HochX (Video und Bühne: Kevin Barz), wie eine Boxerin in den Ring oder eine Animateurin ins Bierzelt. Die Wiesn-Animations-Attitüde wird sie in der nächsten guten Stunde auch nicht mehr ablegen.

Dabei ist es ihr ernst damit zu ergründen, wann das Subjekt zum Objekt wird. Sie führt jede Menge selbst erlebte Situationen an, in denen Frauen zum Objekt gemacht werden: Sie hat sich als Promilletestverkäuferin auf der Wiesn versucht und als Händlerin feuchter Träume in Form von benutzter Unterwäsche. Und natürlich ist sie als ausgebildete Schauspielerin immer irgendwie Objekt. Aber selbst gewählt. Sein oder Wahrgenommensein ist dort die Frage. Sie wird als zu kompakt fürs bürgerliche Trauerspiel wahrgenommen. Womit sie gleich wieder beim Frauendauerthema ist: Egal, wie dünn eine ist, frau wird sich immer zu fett fühlen. Traurige Chauvi-Klischees hat sie auch verinnerlicht, wenn sie treuherzig zugibt, dass sie ja selber schuld ist, schließlich hat sie den Typen angelächelt. Und ihr Rock ist auch zu kurz. Aber sie will dem Publikum ja auch die Angst vor dem Feminismus nehmen, so als weiße, heterosexuelle Frau, die auch gar nicht soo hässlich ist.

Mona Vojacek Koper hat jede Menge brauchbares Material gesammelt, vertraut ihm aber nicht, sondern wildert in anderen Thematiken wie plattesten München-Klischees. Statt einer stringenten Analyse entsteht so ein Flickenteppich ohne rechte Linie auf der Suche nach dem Publikumslacher. Denn versuchen als Frau komisch zu sein, möchte sie auch noch. Nur begibt sie sich dazu in die Animateur-Dauerlächelfalle, zwinker, pling. Dabei ist der Abend am stärksten, wenn sie beim Schmuddelunterwäsche-Shooting endsgenervt schaut, während die pseudosinnlichen Verkaufssprüche zu hören sind. Wenn sie Originalmails der Kunden vorträgt, die einen in die Untiefen einsamer Fetischisten führen. Oder wenn sie das Dirty-Dancing-Schema umdreht. So eine Hebefigur ist wirklich schwer. ||

SORRY NOT SORRY
HochX| Entenbachstr. 37 | 5., 6. Okt.| 20 Uhr
Tickets: 089 90155102