Jeff Lynne | © Carsten Windhorst

Wer ein Ticket hatte, gehörte an diesem Abend mit Sicherheit zu den strahlendsten Menschen, die man in München spätabends noch herumlaufen sah: Summend, lächelnd, und nicht ganz unstreng, wie die Mittfünfzigerin, die braungebrannt und mit umwerfendem Dekolleté einer 16-Jährigen, die in der U-Bahn ins Nachtleben unterwegs war, auf ihre Frage, was das denn für ein Konzert gewesen sei, wo all diese Leute herkamen, antwortete: ELO. Hä? ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA. Noch nie gehört. DA IST EINE BILDUNGSLÜCKE. Und weg war das Mädel. Und die Frau hat so recht!

Wer in den paar Stunden vorher in der Olympiahalle stand, war Mitglied einer eingeschworenen Gemeinde. Irgendwann in den 60er Jahren geboren, und damit von EVIL WOMAN, DON‘T BRING ME DOWN und natürlich mit der Luftgitarre bei TURN THE STONE geprägt, konnte man sich in eine Stimmung hineinfallen lassen, die einer großen Schaumparty nicht unähnlich war. Alle wussten, wie man bei SHINE A LITTLE LOVE im richtigen Rhythmus klatscht, alle wussten, wo sie bei welchem Lied einst waren und was sie dabei getan hatten. Musik von Kassetten im Golf, auf dem Weg zur Disco oder in den Urlaub. Oder im Wohnzimmer, viel zu laut für elterliche Ohren. So wurde die Olympiahalle an diesem Abend zum kollektiven Jugendzentrum, in dem man Männer zwischen 50 und 60 sehen konnte, die sich plötzlich wieder in die Buben von damals verwandelten, und Frauen, die glücklich vor sich hinswingten.

Jeffy Lynne genoß tiefenentspannt den Jubel seiner Fans und lieferte mit seiner Band eine Show ab, die technisch perfekt war – dass ein Electric Light Orchestra nicht nur »leicht« ist, sondern dann doch auch sehr viel mit Licht zu tun hatte, war überwältigend. Da wurde keinen Moment lang gekleckert, sondern vom ersten bis zum letzten Augenblick geklotzt. Das Tollste war aber, dass bei aller Superperfektion die Musik so großartig echt und unverfälscht daherkam, wie man sie in Erinnerung hatte. So dürfen wir alle bezaubernd leicht jung bleiben, mit unseren Schwabbelbäuchen und Hängebäckchen, und lauthals froh sein, dass wir mit dieser herrlichen MR BLUE SKY-Musik groß geworden sind. Die einzige Zugabe war ROLL OVER BEETHOVEN, und man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, was auf der Bühne und im Publikum los war. Qualität hält eben ewig. In 10 Jahren sehen wir uns alle wieder! ||