Jeff Lynne gastiert mit seinem Electric Light Orchestra in München. Ein Fest zum Schwelgen.

Jeff Lynne | © Carsten Windhorst

Es muss Anfang der 80er Jahre gewesen sein, als die ausgeliehene ELO-Platte »Discovery« ihren Geist aufgab, schlicht überfordert von tausendfacher Abnutzung. Damals teilte man keine Playlists, sondern reichte vertrauensvoll schweres Vinylmaterial weiter. Ausgestattet mit einem dicken Kopfhörer, konnte man sich von der Außenwelt verabschieden, unerreichbar für alle Nervensägen. Und mit ELO driftete man in die unendlichen Sphären der pubertären »Confusion« ab, bis Familienmitglieder wild fuchtelnd dem Outerspace-Erlebnis ein Ende machten. 1970 in Birmingham gegründet, war es das erklärte Ziel von Jeff Lynne und seinen Mannen, ein neues Genre zu erfinden, irgendwo zwischen Rock und neuer opulent-orchestraler Musik. ELO setzte dafür klassische Musikinstrumente wie Cello, Streicher und Oboe ein. Das »kleine elektrische Orchester«, wie ELO übersetzt heißt (und gar nichts mit Licht zu tun hat, wie immer wieder vermutet wurde), spielte in den 70er Jahren voluminöse Rockmusik, die vor allem in den Münchner Musicland Studios aufgenommen wurde, bevor die Band für die Aufnahmen nach Belgien wechselte.

Dass »Confusion« heute noch Glücksmomente auslöst, »Evil Women« und »Mister Blue Sky« die Küche zur Disco machen und alle Nachbarn mithören müssen, wenn der »Last Train to London« unterwegs ist, liegt an den riesenhaften Arrangements von Jeff Lynne. Die Feel-good-Wirkung speist sich aus Effekten von allen Seiten, Chor von hinten, Triangelblitze wie aus einem Zauberstab von der Seite, und vor allem aus den groovigen Bodensätzen. Als in den Achtzigern die Synthesizer die Popmusik dominierten, löste Lynne 1986 ELO auf und war als Produzent für Joe Cocker, Paul McCartney, Ringo Starr, Randy Newman oder auch Aerosmith tätig. Vor vier Jahren jedoch feierte Jeff Lynne’s ELO im Hyde Park sein Comeback, ein Studioalbum mit komplett neuem Material folgte. Und seit 2016 tourt die Band wieder weltweit. Im September kommen der Maestro und sein Rock-Orchester noch mal nach München, und das mit Lynne gemeinsam fröhlich ergraute Publikum wird weiter »Xanadu« schmettern – wenn der Sound nur annähernd so gut ist wie in Wembley vor einem Jahr (nachzuhören auf der Live-CD »Wembley or Bust«), kann das ein großes Vergnügen werden. ||

JEFF LYNNE’S ELO
Olympiahalle| 21. Sept.| 20 Uhr
Tickets: 089 54818181