Die Wood Brothers haben den neuen, herben Folk mit erfunden. Jetzt zeigen sie München, wie das klingt.

Wood Brothers| © Thirty Tiger Records

Es gibt eine ganze Reihe von Bands, die sich Brothers nennen, im Jazz und Blues ebenso wie im Folk und Rock. Die meisten von ihnen sind nur Brüder im Geiste. Durch die Adern der Wood Brothers fließt tatsächlich das gleiche Blut. Desselben Geistes Kind sind sie außerdem. Oliver und Chris Wood haben von frühester Kindheit an gemeinsam Musik gemacht. Dann teilten sich ihre Wege. Oliver ging nach Atlanta, Chris verschlug es nach New York, wo er Anfang der 90er mit Medeski Martin & Wood (MMW) eine der erfolgreichsten Gruppen der neueren Jazzgeschichte auf die Beine stellte. Oliver gründete die Funkband King Johnson. Über die Distanz von mehr als tausend Kilometern waren die Brüder nicht gerade Nachbarn. Nach einer Pause von anderthalb Jahrzehnten passierte trotzdem das Unvermeidliche. King Johnson supporteten ein Konzert von MMW, und die Brüder im Holze standen plötzlich wieder auf einer Bühne.

Die Saat war ausgebracht, man erinnerte sich an gemeinsame Jugendstreiche und beschloss, zusammen eine Band zu gründen. MMW wurde damals über Blue Note vertrieben, das Label mit dem »Besten im Jazz seit 1939« suchte gerade nach einem neuen Profil, und man wurde sich schnell einig. Gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten Jano Rix gehörte die unter dem Logo The Wood Brothers firmierende Band zu den ersten Ensembles, die den Freigeist des Jazz mit der Abgründigkeit des Folk verbanden. Auf zwei Alben für Blue Note präsentierten sich die Brothers 2006 und 2008 als exzellente Komponisten und lustvolle Interpreten verschrobener Songs. Zehn Jahre und diverse Platten später bleiben die Barden auf ihrem aktuellen Album »One Drop Of Truth« dem lakonischen Grundton ihrer frühen Songs treu. Oliver Woods Stimme klingt wie eine Mischung aus Willie Nelson und Dan Auerbach. In seinem Timbre, aber auch mit ihren verbindlichen Melodien und intimen Arrangements zwischen Americana, R&B und dezentem Jazzflair überwinden sie das, was sie einst viel zu lange getrennt hat: die gigantischen Distanzen der amerikanischen Weite. Und das alles versuchen sie, in den Strom Club in der Lindwurmstraße zu packen. Das ist mal ein Projekt! ||

WOOD BROTHERS
Strom| Lindwurmstr. 88 | 17. Sept. | 21 Uhr
Tickets: 089 54818181