Seit 30 Jahren läutet die OPEN art die herbstliche Kunstsaison ein. Das von der Initiative der Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst entwickelte Format vernetzt die lokalen Akteure und ist zugleich ein international wahrgenommenes Highlight.

Die Galerie Karl Pfefferle gibt es schon 35 Jahre. Zum Jubiläum zeigt sie u. a. den
Techniken-Erfinder und das Stile-Chamäleon Jiří Georg Dokoupil: »Ohne Titel (Rosa Traum I.)«| 2017 | Seifenschaum und Pigment auf Leinwand, 90 x 100 cm | © Dokoupil

Wo sich heute die Flagship-Stores der Luxusmarken und die Limousinen ihrer Kunden aneinanderreihen, befand sich bis vor nicht allzu langer Zeit das Epizentrum der Münchner Galerieszene. Die Maximilianstraße war, vor dem rasanten Anstieg der Mieten, der zentrale Ort für Kunst in München. Alle großen Galerien waren dort vertreten, knapp zwanzig Kunsthändler machten die Prachtstraße zur Kunstmeile, in den Achtzigern feierte man legendäre Vernissagen. Aber eine Stadt ist immer in Bewegung, verändert sich unaufhörlich. Neue Galerien eröffneten im Lehel, das Gärtnerplatzviertel wurde interessant und seit der Eröffnung der Pinakothek der Moderne und des Museum Brandhorst gewann das Kunstareal in der Maxvorstadt immer mehr an
kultureller Anziehungskraft.

Dass eine Kunstszene, die immer in Bewegung ist, aber auch auf Konstanten zählen kann und muss, beweist seit nunmehr drei Jahrzehnten das Format OPEN art. Im September 1989 fand die erste gemeinsame Veranstaltung der Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst unter diesem Motto statt. Und der Titel war Programm: Die Galerien sollten offen sein für ein interessiertes Publikum, etwaigen Schwellenängsten sollte vorgebeugt werden. Dafür schlossen sich, heute würde man das als Networking bezeichnen, unterschiedliche Galerien zusammen und machten die gesamte Stadt zu einer großen Vernissage, ein Faltblatt wies den Weg. Seitdem hat sich die OPEN art, und das dazugehörige Faltblatt, zu einem Fixstern in der Galerieszene und der Kunstwelt entwickelt. Deutschlandweit und auch international hat sie Sichtbarkeit für die in München arbeitenden Kunsthändler geschaffen. Neben den Präsentationen der Galerien wurde immer ein hochwertiges Begleitprogramm angeboten: In unzähligen Künstler- und Podiumsgesprächen wurden aktuelle Themen verhandelt, Sonderausstellungen widmeten sich gesellschaftlichen Themen und Veränderungen, in Führungen wurde die Kunst vermittelt. Und auch die Zusammensetzung der beteiligten Galerien ändert sich
beständig, manche schließen, neue mit jüngeren Positionen kommen hinzu. Die Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst, 1988 als erster Galerienverband in Deutschland gegründet, blickt auf eine lebendige Vergangenheit zurück und ist dennoch fest in der Gegenwart verankert. Einen Blick in ihre Geschichte, seit den 80er Jahren bist heute, gibt dieses Jahr eine speziell produzierte Filmdokumentation, die zur Eröffnung der OPEN art erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Zu den Kooperationspartnern der OPEN art zählt das
Maximilians Forum mit der sozialen und kollaborativen Raumskulptur »Habibi Dome« von Franziska Wirtensohn und Michael Wittmann (2. 8.–3. 10.) © Wirtensohn und Wittmann

Von den Anfängen in der Maximilianstraße bis heute, erzählt durch Interviews mit Galeristen, Künstlern und Journalisten Im Jahr 2018 sind 55 Galerien Mitglieder der privaten Initiative, die Vereinigung hat mit Museen, Medien, Kulturträgern kooperiert,und auch die Stadt München ist ein langjähriger und verlässlicher Partner. Dabei schielt man nicht auf andere Städte oder vermeintliche Kunstmetropolen, sondern ist sich der Vorteile Münchens bewusst und nutzt diese aktiv: Besucher können am Wochenende zwischen dem 14. und 16. September in München viele Ausstellungen und Museen besuchen, es gibt gute Restaurants und Konzerte, die Wege sind kurz und die kulturelle Infrastruktur ausgezeichnet. Neben der OPEN art hat die Initiative der Galerien seit 2016 auch ein anderes Format eingeführt. Etwas später im Herbst findet am 19. und 20. Oktober wieder PLATEAU statt. Im Rahmen des von der Stadt München initiierten »Kulturherbsts« werden die teilnehmenden Galerien Sonderveranstaltungen und Führungen anbieten, Partner wie die internationale Kunstmesse HIGHLIGHTS, die parallel stattfindet, die Hypo-Kunsthalle und der Espace Louis Vuitton München runden das Angebot ab. PLATEAU setzt dabei verstärkt auf eine internationale Ausrichtung mit Schwerpunkt auf Österreich und der Schweiz.

Kooperatives und internationales Agieren ist auch das erklärte Ziel des Ausstellungsprojektes »Various Others«, das ebenfalls am 14. September eröffnet. Es will neue Strategien für Kollaborationen zwischen kulturellen Einrichtungen etablieren und gemeinsam an einem inhaltsbasierten Projekt arbeiten. Institutionen wie das Haus der Kunst, die Villa Stuck oder das Lenbachhaus und Galerien wie Deborah Schamoni, Christine Mayer oder Jahn und Jahn laden dafür internationale Partner ein, um in ihren Räumen Projekte zu realisieren. Dass sich einige junge Galerien und Kulturschaffende genau im Jubiläumsjahr der OPEN art zusammengetan haben, um mit dem Konzept »Various Others« ein internationales kooperatives Projekt zwischen Galerie, OffSpace und Museum in München zu etablieren, sieht die OPEN art nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung. »Man muss am Ball bleiben«, bekräftigt Gudrun Spielvogel vom Vorstand der Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst. Immer in Bewegung. ||

OPEN art
Verschiedene Orte | 14.–16. September
Eröffnung mit Filmpremiere: 14. Sept., 17 Uhr, in der HFF, Bernd-Eichinger-Platz 1; Abendöffnung aller Galerien 19–21 Uhr | Sa/So 11–18 Uhr | Infos zu Rundgängen, Führungen und Sonderveranstaltungen