Sophie Hunger ist jung und anspruchsvoll. Das kann man nun an drei verschiedenen Orten hören.

Mehr als eine neue Stimme: Sophie Hunger © Marikel Lahana

Eine Frau als US-Präsidentin? Das gibt es bisher nur in Serien und in Filmen. Denn, das wissen wir alle: Die Amerikaner haben bei der letzten Präsidentenwahl nicht Hillary Clinton, sondern Donald Trump gewählt. Mit tagtäglich sicht-, hör- und für viele auch direkt spürbaren Folgen. Für Sophie Hunger war das Wahlergebnis, das hat die aus der Schweiz stammende Singer-Songwriterin und Komponistin in einem öffentlichen Statement gesagt, auch speziell als Frau eine Enttäuschung. Schließlich haben auch viele Genossinnen für Trump gestimmt und der Schweizerin damit die Erkenntnis beschert, dass man sich auf sie nicht verlassen kann, »wenn es darum geht, für die eigenen Rechte einzustehen«. Das klingt relativ bitter, vor allem wenn man sich zum Vergleich dazu ihren Song »She Makes President« anhört. Den hat die 35-Jährige noch vor den US-Präsidentschaftswahlen geschrieben, weshalb er mit seinen elektronischen Beats und dem wabernden Synthesizer im Hintergrund noch voller Hoffnung steckt.

Zu hören ist der Song »She Makes President« seit ungefähr drei Monaten auf Youtube sowie auf anderen Seiten oder Internetportalen. Außerdem wird er auf dem neuen, mittlerweile siebten Sophie-Hunger-Album »Molecules« vertreten sein, das am 31. August offiziell erscheint und das die Musikerin Anfang September in München live vorstellt. Drei Konzerte hintereinander, an drei verschiedenen Orten, das klingt, zumindest im Popbereich, nach einem interessanten Experiment, das die als Emilie Jeanne-Sophie Welti in Bern geborene Sängerin übrigens ganz ähnlich auch in anderen Städten durchzieht. Denn in Köln und Hamburg wird sie ebenfalls dreimal auftreten, und sogar fünf Mal in ihrer neuen Heimatstadt Berlin.

In Berlin ist »Molecules« auch entstanden und ist, so sagt es die Künstlerin selbst, vom elektronischen Sound der Stadt geprägt. Das heißt konkret: Sophie Hunger hat dort mit modularen Synthesizern und Drumcomputern experimentiert und sich damit noch weiter von den folkigen und jazzigen Klängen entfernt, mit denen sie auf ihrem Debütalbum »Sketches on Sea« vor über zehn Jahren für Aufsehen sorgte. Ähnliches gilt für Hungers Gesang, der, so die Ankündigung, auf »Molecules« nicht mehr gewohnt mehrsprachig ausfallen wird, das heißt deutsch, englisch, französisch und schwyzerdütsch, sondern zum ersten Mal komplett englisch. Was etwas schade klingt, denkt man etwa an das wunderbare, charmant verspielte »Heicho« (schwyzerdütsch für »Heimkommen«) auf dem letzten, 2015 erschienenen Album »Supermoon«. Dass sie sich musikalisch nicht weiterentwickeln würde, kann man Sophie Hunger allerdings nicht vorwerfen. Und tatsächlich gibt es im deutschsprachigen Raum aktuell kaum eine andere Künstlerin, bei der man auf ähnliche Weise gespannt wäre, wohin ihre musikalische Entwicklung sie noch überall führt. ||

SOPHIE HUNGER
Freiheizhalle, 6. Sept. / Technikum, 7. Sept. / Strom, 8. Sept.| 20 Uhr | Tickets: 01806 570070