Fusionjazz ist wieder hip. Und die Yellowjackets haben das immer schon gewusst.

Erstaunlich beständig: Yellowjackets | © Anna Webber

Für die Vermählung von Jazz und Rock (später auch Soul, Funk, R&B, Pop, Weltmusik) – in den Siebzigern dank John McLaughlins Mahavishnu Orchestra, Chick Coreas Return To Forever oder Weather Report eine spannende Neulanderkundung – ist Ehrenrettung dringend geboten, seit »Contemporary« in den Billboard-Charts zur ewig gleichen Fahrstuhlmusik oder zur Demonstration eines selbstverliebten Virtuosentums zu verkommen droht. Wer beklagt, dass altgediente Heroen wie Lee Ritenour oder Jeff Lorber immer seltener interessante Songs aufnehmen, hat in der Tat wenig Auswahl: Das Trio Tribal Tech hat sich aufgelöst, der unverwechselbare Gitarrist Allan Holdsworth ist im vergangenen Jahr verstorben, Steps Ahead tauchen nur gelegentlich mit alten Songs wieder auf. Da bleibt nur eine Formation von – trotz diverser personeller Wechsel – erstaunlicher Beständigkeit übrig, bei der darauf Verlass ist, dass auch nach 40 Jahren nicht ein Album wie das andere klingt: die Yellowjackets.

Deren Mitbegründer in den späten Siebzigern, Russell Ferrante, ist als Keyboarder zugleich wichtigster Komponist der Band. Er sucht die Nähe zu Folk, Funk, Gospel und Pop à la Bruce Hornsby, kann aber auch Jazz pur und verwendet lieber einen Akkordwechsel zu viel als zu wenig. Dennoch ist es nicht so, dass die Gelbjacken-Songs vor Sophistication kaum laufen könnten. Ganz im Gegenteil: Flüssig-schlüssig hören sie sich an, angenehm, weil Bob Mintzer (amtierender Chefdirigent der WDR Big Band) als Saxofonist den dauergepressten Überintensivton vieler Kollegen vermeidet und sogar dann nicht penetrant klingt, wenn er via EWI (Electronic Wind Instrument) als Bläser Keyboard-Sounds benutzt. Hinzu kommen mit William Kennedy ein bei allem Biss diskreter Drummer und seit 2016 mit Dane Alderson ein junger Australier am Bass, der sich auf seinen sechs Saiten virtuosen Vorgängern wie Jimmy Haslip und Felix Pastorius würdig erweist. So bleibt die Band leicht identifizierbar, ohne allzu berechenbar zu werden. Und live können die Jackets auf ein ideenstarkes Repertoire von fast 30 CDs zurückgreifen. Da wird’s im September nicht langweilig, wenn sie im New Yorker »Birdland« drei Nächte hintereinander spielen werden, ebenso wenig im Juli in der »Unterfahrt«, die mal wieder Weltklasse gebucht hat. ||

YELLOWJACKETS
Unterfahrt| 18. Juli| 21 Uhr | Tickets: 089 4482794