Das Puch Open Air in Jetzendorf ist nur noch ein bisschen Geheimtipp. Die Fahrt dorthin lohnt trotzdem.

The Notwist | © Patrick Morarescu

Kaum haben die beiden Songschreiber Reiner Sladek und Lenz Lehmair ihre Indieband Animal Crackers mit einer nachgereichten CD-Edition nebst einem dazugehörigen Releasekonzert verabschiedet, erscheint im Herbst das Debütalbum ihres neuen Minimal-Elektro-Projekts Drei Sekunden. »Drei Sekunden sind der zeitliche Maßstab, den der menschliche Verstand als Gegenwart interpretiert«, erklärt das Duo seinen Namen, der zugleich auch Programm ist: Musik nämlich, die die Gegenwart in ihrer Flüchtigkeit wiedergibt. Einen Vorgeschmack darauf bietet ein Auftritt der Drei Sekunden heuer auf dem Puch Open Air. Auf jenem Festival also, das Sladek und Lehmair selbst vor mehr als zwei Jahrzehnten initiierten, um sich und anderen Bands aus dem Dachauer Land eine Plattform zu bieten. Längst ist daraus das vielleicht schönste Indiefestival Deutschlands gewachsen, das jährlich Zuschauer aus Augsburg, München und Österreich lockt. Dabei hatten die Veranstalter durchaus mal Sorge, dass das Festival zu sehr frequentiert würde. Obwohl nämlich der Bauernhof in Lueg bei Jetzendorf, wo das Open Air beinahe jährlich stattfindet, groß genug wäre, um noch mehr Zuschauer zu fassen, würde das strukturelle Veränderungen bedingen, die den Charme der Veranstaltung als gemütliches und familienfreundliches Musikfest riskieren könnten.

So gesehen meistert das Line-up auch dieses Jahr wieder zwei Herausforderungen: Zum einen will man mit einem attraktiven Programm eine Nachfrage sichern, die den Aufwand lohnt. Zum anderen setzt man auf Künstler, die sich musikalisch jenseits eines massenkompatiblen Mainstreams ausdrücken. Das entspricht auch der Idee, mit lokalen und überregionalen Musikern Trends aufzuspüren, die noch nicht die größeren, kommerziell ausgerichteten Festivals bespielen, auch wenn The Notwist aus München, Suun aus Kanada oder Die Nerven aus Stuttgart, die neben den Drei Sekunden und der türkischstämmigen Rapperin Ebow heuer auf der Bühne vor dem Wald auftreten, schon lange keine unbekannten Größen mehr sind. Musik, die man vor allem auch spürt, liefern zudem Elemental Wave Soundsystem aus Dachau, die schon in den letzten Jahren als Tontechniker mit ihrer Anlage den guten Sound des Festivals sicherten. Da sie andernorts auch selbst mit ihrem aus circa 40 Lautsprechern gebauten zehn Meter langen und zwei Meter hohen Soundsystem auftreten, wird man die auf dem Puch Open Air bewährten Klangexperten heuer sogar als Musiker erleben. Zu erreichen ist das familienfreundliche Festival, für das Kinder übrigens keinen Eintritt zahlen müssen, auch mit der S-Bahn. Vom S-Bahnhof Petershausen fährt ein Shuttlebus zum Festivalgelände und zurück. Wer länger bleiben will, kann auch zelten. ||

PUCH OPEN AIR
Lueg, Jetzendorf| 14. Juli| 16 Uhr | Tickets: 089 54818181