Low aus Minnesota lassen sich Zeit und haben damit einen Stil geprägt.

Ganz entspannt, seit zweieinhalb Jahrzehnten: Low | © Zoran Orlic

Es sollte ja eigentlich nur ein Scherz sein. Aber auf einmal stecken alle in der Klemme, auf einmal spielen sie alle Slowcore. Laut dem Low-Sänger und -Gitarristen Alan Sparhawk geht der Begriff auf einen Freund zurück, der damit die Musik der Band ironisch beschrieb. Nun, Journalisten sind dankbar für solche Schubladen, und jetzt sind Low aus Duluth in Minnesota Pioniere wider Willen. Nun, aber verständlich ist es. Der Klang der Band lässt sich mit »slow« wirklich am treffendsten beschreiben. Melodien, Minimalismus, Melancholie – und das in den frühen Neunzigern. War auch am Anfang nur Witz. Als man kurz nach der Gründung 1993 im Proberaum stand, malte man sich aus, wie es wäre, dem harten Rockpublikum mit ruhigem, atmosphärischem Gitarrenpop gegenüberzutreten. Zum Glück wurde aus der Sache Ernst gemacht und ein Jahr später das Debüt »I Could Live in Hope« veröffentlicht. Mit Songs wie »Words«, »Lullaby« und einem fast surreal anmutendem Cover von »You Are My Sunshine« heute noch einer der großen Meilensteine des Genres – ob man es akzeptiert oder nicht.

Zwölf Alben haben Low bis heute veröffentlicht, daneben auch zahlreiche Singles, EPs und Samplerbeiträge. Bei Musikliebhabern sind sie seit jeher beliebt, mit dem großen kommerziellen Erfolg hat es trotzdem nie so ganz geklappt. Vielleicht ist unsere Zeit einfach zu schnelllebig, nicht slow genug. In den USA wurden sie wahrscheinlich durch einen Werbespot der Bekleidungskette »Gap« am bekanntesten, für den sie eine Coverversion von »The Little Drummer Boy« bei steuerten. Diese klingt eher nach sphärischem Requiem als nach Feiertagsuntermalung, aber was Coverversionen angeht, waren Low schon immer Verfremdungsspezialisten, egal, ob es sich um Joy Division, die Misfits oder OutKast handelt. Im Ampere können also durchaus Überraschungen auf das Publikum zukommen, im positiven Sinne. In den frühen Tagen konnte es passieren, dass die Band vom redenden Publikum oder der Band im Nebenraum übertönt wurde. Heute gibt zum Glück mehr Leute, die Ruhe und Langsamkeit zu schätzen wissen. ||

LOW
Muffatwerk – Ampere| 25. Juni| 20 Uhr
Tickets: 089 54818181